Pünktlich zum Feierabend beschenkt mich die Natur mit einem spektakulären Himmel. Gestreift ist er in rosa und blau. Da bekomme ich wieder gute Laune, nachdem ich heute sehr konzentriert an einer Tabelle gearbeitet habe. Zahlenkolonnen, vor und zurück und verknüpft. Hier eine Besonderheit und dort, was anders als der Rest betrachtet werden muss. Reihe um Reihe. Alles mit der Absicht verformelt, dass es passt. Aber das schaue ich mir morgen an.
Ich reihe mich wie die Zahlen in meiner Tabelle in den Verkehr auf der Hauptstraße ein und nehme den Weg Richtung Autobahn. An der Tankstelle muss ich anhalten, die Ampel ist rot aber auch ohne dem geht es nur langsam voran. Feierabendverkehr.
Da bemerke ich, wie ein kleiner Junge, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, mir vom rechten Bürgersteig zuwinkt. Offensichtlich möchte er mit seinem Roller die Straße überqueren. An der Ampel funktioniert das nicht, da ist kein Fußweg. Er fragt mich per Handzeichen, ob ich warte und ihn herüber lasse. Ich nicke ihm zu, denn na klar, bleibe ich stehen und lasse ihn vorbei. Es ist eine gute Gelegenheit für ihn, weil der Gegenverkehr schließlich seinerseits auf der anderen Seite der Ampel still steht.
Er rollert los, hat schwuppdiwupp die Seite gewechselt, ist auf dem anderen Bürgersteig in Sicherheit. Da er in meine Richtung fährt, schaut er mich an und wir winken uns zu. Das hat er wirklich klasse gemacht. Neben dem leuchtenden Himmel, die zweite schöne Begegnung des Tages und ich hoffe, dass er wohlbehalten sein Ziel erreicht. Dann geht es auch bei mir weiter. Meine Fahrt nimmt ihren Lauf. Innerlich freunde ich mich schon mal dem Gedanken an, gleich ins kalte Wasser beim Schwimmtraining zu springen. Selbst wenn ich das momentan nicht entzückend finde, weiß ich, wie es sich hinterher anfühlen wird. Richtig gut.

