Erst als die Scheinwerfer angehen, nehme ich wahr, dass es leicht nieselt, graupelt oder beides zusammen. Genau kann ich es nicht ausmachen. Dafür sind die Tropfen oder Flocken zu klein. Heute war ich die einzige, die im Büro gearbeitet hat. Alle Kolleg:innen waren mobil dabei. Das kommt selten vor und ist ein wenig unheimlich, finde ich. Gerade in der dunklen Jahreszeit. Meine Fantasie spinnt dann rum und kommt auf folgende Dialoge:
- Zeug:in: „Ja, ich habe sie gesehen. Ihr Büro war das einzige, in dem Licht brannte. Die Frau (ich) ist vom Schreibtisch aufgestanden und hat ihr Zimmer verlassen.“
- Kommissar:in: „Konnten sie sehen, in welche Richtung sie gegangen ist?“
- Zeug:in: „Ja, nach links.“
- Kommissar:in: „Also zur Toilette?“
- Zeug:in: „Nein, das weiß ich nicht.“
- Kommissar:in: „Oder zum Ausgang?“
- Zeug:in: „Vielleicht.“
- Kommissar:in: „Könnte sie die Tür geöffnet und jemanden herein gelassen haben? Sie sehen doch aus dieser Perspektive den Flur. Sie müssten doch gesehen haben, was sie gemacht hat.“
- Zeug:in: „Das hat mich nicht interessiert, das weiß ich nicht mehr.“
- Kommissar:in: „Sie haben mir vorhin erzählt, dass sie die Frau bereits öfter abends alleine im Büro gesehen haben. Ist ihnen dabei etwas ungewöhnliches aufgefallen?“
- Zeug:in: „Ja, einmal war noch spät jemand dort. Ich glaube, sie haben sich unterhalten.“
- Kommissar:in: „Haben Sie die Person schon einmal gesehen oder können Sie diese beschreiben?“
- Zeug:in: „Moment, vielleicht habe ich ein Foto gemacht. Hier (zeigt die Bilder).“
- Kommissar:in: „Fotos? Sie haben gerade gesagt, dass die Frau sie nicht interessierte. Warum haben Sie sie dann so oft fotografiert?“
- Zeug:in: „Ich fotografiere immer alles mögliche, warum? Man weiß ja nie…“
- Kommissar:in: „Wie meinen Sie das? Haben sie an dem Tag auch ein Foto gemacht?“
- Zeug:in: „Nein.“
- Kommissar:in: „Wie? Daran können Sie sich aber erinnern, weshalb?“
Was die Zeug:in antwortet, bleibt unüberliefert, schließlich muss ich weiter arbeiten.

