#695 Ostfriesenpalme

„Weihnachtszeit, du schöne Zeit…“, diese Liedzeile eines Werbespots für Schokotäfelchen geistert mir durch den Kopf. Dabei ersetze ich, beim vor mich in Gedanken hin summen, „Weihnachtszeit“ einfach mit: „Grünkohlzeit“. Das funktioniert. Wie gut, dass es sie gibt, die Ostfriesenpalme. Noch besser ist, dass wir uns, je nach Jahreszeit, auf ein anderes Gemüse, eine andere Frucht freuen können. Das lenkt ab vom Beliebigen. Mal abgesehen vom Einzelhandel. Der hat diesbezüglich irgendwas falsch verstanden.

Nun, Grünkohl gibt es selbstverständlich in allen möglichen Varianten auch im wilden Süden, kein Thema. Dennoch sticht er neben den hiesigen Gerichten, die oftmals was mit „-le“ im Namen haben, hervor. Besonders in der wirklich deftigen Variante: Grünkohl mit Pinkel. Wer mag denn sowas?

Ich. Unlängst ereilte mich ein Anruf aus meiner norddeutschen Heimat, dass sich ein Paket mit eben jenem Inhalt unterwegs zu mir befindet. Pünktlich zum ersten Frost. Der gehört unabdingbar dazu. Schließlich will besagtes Gericht vorab mit einem langen Spaziergang über flache Landschaften im eisigen Wind erarbeitet sein. Typisch. Überhaupt, für die andere Hälfte meines Haushalts beginnt Norddeutschland hinterm Main und somit kommt das Paket fast direkt vom Nordpol.

Und da dort bekanntlich der Weihnachtsmann wohnt, schließt sich der Kreis zur Melodie, die ich im Kopf habe, denn ich verarbeite heute das erste Mal in dieser Saison Grünkohl. Allerdings in einer anderen, harmlosen Variante, nämlich als Chips. Das geht schnell und ohne Frösteln beim Spazieren gehen. Genau richtig für mich und mein ungeduldiges Wesen.

Ich stehe an der Spüle und zupfe die Blätter von den Stängeln. Vermische alles mit einem Esslöffel Olivenöl und überlege mir die Geschmacksrichtungen, die mein Snack bekommen soll. Salzig möchte ich sie haben und eine Portion mit Chili. Das gibt dem Crunch einen ordentlichen Kick. Gesagt, getan. Kurze Zeit später nasche ich die ersten direkt vom heißen Blech. Lecke

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