#704 erlebbar

Ökologisch korrekt, buche ich mein Tagesticket über die App nach Stuggidings. Ich habe einiges zu erledigen. Um nichts zu vergessen, visualisiere ich das, was ich besorgen möchte. Denn darin bin ich super, im etwas vergessen. Oft laufe ich mit der Hälfte der Sachen heim, die ich mitnehmen wollte. Nun, wenn es wichtig ist, schreibe ich mir einen Zettel. Dieses Mal habe ich keinen dabei. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass es heute klappt und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle.

Dort stehen viele Leute, was bedeutet, ich habe ihn nicht verpasst. Und was außerdem bedeutet, dass der Bus Verspätung hat oder irgendwas ausgefallen ist. Da es mich nicht pressiert, bleibe ich gelassen. Als der Bus kommt, ist er voll. Andere hatten dieselbe Idee wie ich. Warum nicht?

Der Metropol-Express hat ebenfalls Verspätung und ich überlege, wie viel Strecke ich beim Warten mit dem Auto hätte zurücklegen können. Verbiete mir gleichzeitig die Überlegung, weil es sich sowieso erledigt hat, schließlich stehe ich am Bahnsteig. Als er kommt, ist er ebenfalls voll. Proppenvoll. Eine Tür ist defekt, so dass sich die Masse durch die restlichen Öffnungen in beide Richtungen schiebt. In Stuggidings wird es noch heftiger. Mit zehnminütiger Verspätung rollen wir dort ein. Die Türen öffnen sich. Menschen rennen los, stürmen an mir vorbei. Die Kofferrollen rattern über den Bahnsteig. Bin ich froh, dass ich heute keinen Anschluss bekommen muss.

Dann trete ich meinen Fußmarsch über die Behelfsbrücke zur Innenstadt an, nur um wenige Stunden später dasselbe rückwärts zu tun. Im vollen Metropol-Express bewegt sich zu allem Überfluss die große Toilettentür mit jedem Ruckeln oder Bremsen auf und zu. Ich sitze genau gegenüber. Kein schöner Anblick. Ich erspare euch Details. In diesem Zusammenhang kommt mir der Schriftzug „erlebbar“, an dem ich heute zwei Mal vorbei gelaufen bin, fast ironisch vor.

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