Graffitis begegnen mir, wenn ich unterwegs bin, überall. An vielen freien Flächen, Häuserwänden, Fabrikgebäuden, an Turnhallen, an Brücken. Manchmal frage ich mich, wie der oder die Künstler:in dort hin gekommen ist. Einige bemalte Stellen kommen mir ziemlich gefährlich vor. Autobahnschilder beispielsweise. Und dann frage ich mich, was sie mir mitteilen wollen, denn ich muss gestehen, dass sich mir nicht alle sofort erschließen.
Fast erscheint es mir, als sei es eine geheime Sprache für Insider der Szene, versteckte Mitteilungen oder Geheimcodes, die uns dort bunt gemixt entgegen leuchten. Einige habe ich gesehen, die wahre Kunstwerke sind. Bei anderen denke ich mir, dass ein wenig mehr Übung sicher gut tun würde. Es ist eine Tatsache, dass eine weiße Wand mitunter auch kein schlechter Anblick ist.
Manchmal geht es wirklich wild durcheinander. Einem Wettstreit gleich, werden Bilder übermalt oder erweitert. Hier gibt es Gelungenes und welche, ja, die sind echt schlecht gemacht. Gut, dass es dann Orte gibt, die bemalt werden dürfen, ohne dass der künstlerische Wert im Vordergrund steht. Wo, wenn nicht auf einer Skater-Bahn, gehören Graffitis dazu wie Fangesang beim Fußball? Hier wie dort ist es wichtig, ein richtiges Maß einzuhalten. Zu viel Gesprühe kann nervig sein, genauso wie Pyros nicht ins Stadion gehören.
Schade finde ich es, wenn eben jenes Augenmaß zu Lasten derjenigen verloren geht, die es wirklich drauf haben. Nur weil die Möglichkeit besteht, etwas anzusprühen heißt das noch lange nicht, dass das in Ordnung ist. Nur, weil keine Kontrollen stattfinden, heißt das nicht, dass ich mit Pyrotechnik andere in Gefahr bringen darf. Das sind kleine Beispiele, die sich überall finden. Euch fallen bestimmt ebenfalls welche in der Art ein. Wie schön wäre es, wenn eine Selbstregulierung auf allen Ebenen und durch alle Gesellschaftsschichten stattfände. Für den sozialen Frieden mit Sicherheit ein Gewinn.

