Die Beleuchtung durch die Straßenlaternen ist soeben ausgegangen und der Montagmorgen drängt sich trüb und regnerisch und viel zu warm für einen Dezembertag in meine kleine Welt. Diese besteht zunächst mal aus Büroalltag und dorthin bin ich gerade unterwegs. Der Scheibenwischer wischt die Feuchtigkeit von der Frontscheibe und ich biege nach links in die nächste Hauptstraße ein, als sich etwas in mein Gesichtsfeld mogelt.
Ich bin überrascht und muss direkt zweimal hinschauen. Aber tatsächlich, sie ist im Auto. „Sie“ ist eine kleine Spinne, die zwischen Armaturenbrett und Sonnenblende ihren Faden gesponnen hat und mir genau vor meiner Nase herum klettert. Der Frost neulich hat sie offensichtlich nicht vertrieben. Nun, Spinnchen, sage ich in Gedanken zu ihr, der Tag fängt gut an. Auch wenn die Redewendung : „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen […]“ nichts mit den Tieren sondern mit der Tätigkeit zu tun hat. Waren die Leute in früheren Zeiten am Morgen immer noch nicht mit ihrer Arbeit vom Vortag, dem Wolle spinnen, fertig, bedeutete das nichts Gutes. Aber das ist schon eine ganze Weile her. Die vom hiesigen Mittelalter-Weihnachtsmarkt können sicher ein Lied davon singen.
Mein Plan ist nun, an der nächsten Ampel, wenn mein Fahrzeug steht, die Spinne aus dem Auto zu befördern. Hier drin wird es nicht viel geben, von dem sie sich ernähren kann. Glaube ich jedenfalls. Tja, leider will sie nicht so wie ich und Schwupps, kommt sie mir abhanden. Kurz sehe ich sie auf meinem Pulli, dann ist sie weg und ich muss mich aufs Fahren konzentrieren. Ich hoffe, sie findet ihren Weg nach draußen.
Einen weiteren blinden Passagier kutschiere ich in Form des Sprösslings durch die Gegend. Wie der seinen Weg an mein Beifahrerfenster gefunden hat? – keine Ahnung. Das zeigt einmal mehr, dass Leben überall entstehen und überleben (?) kann.

