Im Herbst, wenn die Blätter sich bunt färben, leise zu Boden fallen, wenn das Gras nicht mehr so grün und das Leben in seiner Gänze gefühlt einen Gang runter schaltet, dann beginnt die Zeit der Schummerstunden. Manche von euch kennen die Schummerstunde auch unter der Begrifflichkeit: blaue Stunde.
Die dunkle Jahreszeit ist nicht unbedingt was für mich. Ich mag es lieber warm und lange hell, damit ich möglichst viel draußen sein kann. In der warmen Jahreszeit verlege ich einen großen Teil meines Tages nach draußen. Trotzdem, was ich der kalten Jahreszeit abgewinnen kann, ist, wenn ich Zeit habe, das Miterleben der Schummerstunde. Sie umhüllt mich mit Friedlichkeit. Das kann ich, wie gesagt, nur dann gut, wenn ich selber Muße habe. Wenn ich nicht mein Tagewerk in Dunkelheit beginne und bei Dunkelheit beenden muss. Sondern dann, wenn ich das Herabsenken der Nacht beobachten kann.
Für mich hat diese Zeit des Tages ein wenig Ähnlichkeit mit einer Meditation. Allerdings muss ich dazu nicht ruhig da sitzen, die Augen schließen und mich aufs Nichtsdenken fokussieren. Es ist eher vergleichbar mit der stillen Einkehr zu mir selbst. Gerne schaue ich dabei aus dem Fenster, zünde vielleicht ein paar Kerzen an. Grundsätzlich mache ich dann wenig künstliches Licht um mich herum. Das stört mich in diesem Fall.
Bestimmt klingt das jetzt esoterischer, als ich es meine. Ich will einfach sagen, dass die sich ausbreitende Nacht und das aktive Miterleben der aufkommenden Dunkelheit, schön sein kann. Beruhigend. Jedenfalls für mich. Bestimmt gibt es unter euch diejenigen, die das nachvollziehen können. Und außerdem darf ein wenig „Mystisches“, gerade zu dieser Jahreszeit, nicht fehlen. Auf den Trichter sind schon ganz andere gekommen. Deshalb mache ich jetzt Schluss, esse die restlichen Kekse und gehe zum Sport. Das ist weltlich genug, um mich auf andere Gedanken zu bringen.

