Wieder auf der Straße? Nein, ich muss präzise bleiben, ich bin auf „Rails“ unterwegs. Da es jedoch dafür kein geflügeltes Wort oder geflügelten Satz gibt, bleibe ich beim gängigen Wort „road“. Es ist aktuell 08:04 Uhr. Der Tag bricht gerade an und ich bin, wie gesagt, schon unterwegs. Unterwegs gen Norden in meine alte Heimat. Vorweihnachtlicher Verwandtschaftsbesuch steht auf dem Programm, auf den ich mich freue.
Es ist sehr früh. Jedenfalls für mich. Der Wecker hat vorhin vor sechs Uhr geklingelt. Das war allerdings notwendig, um alle Eventualitäten, die mich meinen Zug nicht erreichen lassen täten, auszuschalten.
Die andere Hälfte meines Haushalts bringt mich zum Hauptbahnhof, genauer gesagt zur Bäckerei davor, wo ich mich mit Kaffee und Proviant für fünfeinhalb Stunden Fahrt eindecke.
Der Bahnhof ist gleich um die Ecke. Allerdings erreiche ich die Gleise nur über einen Brückentunnel. An seiner provisorischen Wand gibt es Hinweise, dass meine Laufzeit von hier bis zu den Gleisen drei Minuten beträgt. Ich habe genügend Zeit eingeplant und bin entspannt. Das ist hilfreich, denn meine DB-App hat bereits mehrfach Alarm geschlagen, um mir mitzuteilen, dass mein Regio ausfällt, sich die Abfahrt meines Zugs am Hauptbahnhof verschiebt und dann doch wieder pünktlich ist. Ein gutes Nervenkostüm ist diesbezüglich vorteilhaft.
Jetzt sitze ich im vollen Zug. Ein kleiner Junge schläft mir gegenüber. Ansonsten daddeln irgendwie alle am Handy. Dafür, dass ich mich im „Psst“-Abteil befinde, ist trotzdem ordentlich was los, was mir allerdings einigermaßen egal ist, solange ich keine dämlichen Telefonate mitanhören muss, sondern nur das Krachen der Chips im Mund eines Mitfahrgastes. Chips scheinen um mich herum der bevorzugte Frühstückssnack zu sein. Ich würde mich über eine zweite Tasse Kaffee freuen, die meine Lebensgeister weckt. Ob das was wird? Ich darf weiterhin gespannt bleiben bei meinem Abenteuer mit der Bahn.

