Vom Zug aus betrachtet ist alles klein, weit weg, eine Miniaturausgabe. Felder in Parzellen unterteilt, umsäumt von Baumalleen. Baumalleen, die sich, wie mit dem Lineal gezogen oder, trägen Bächen folgend, geschwungen durch die Felder mäandern. Ihr Wasser ist gerade breit genug, damit alle, die an die andere Seite kommen möchten, sich fragen müssen, ob es mit einem beherzten Sprung zu schaffen ist oder nicht. Entengrütze schwimmt mancherorts oben auf und lässt es grün aussehen. Bildet bald eine geschlossene Fläche und erweckt den Anschein, wie die Wiesen um es herum zu sein.
Trügerisch. Ist das Wasser darunter doch tiefschwarz vom Moor gefärbt, von dem es gespeist wird.
Jetzt, mit den kahlen Bäumen, ist die Landschaft durchscheinend, wie bei einem Spiegelkabinett, bei dem nicht sicher ist, in welche Richtung der eigene Blick fällt. Vereinzelt ziehen im Vorbeirauschen des Zugs prachtvolle Gehöfte vorbei. Große Häuser. Roter Klinker. Viehställe, vergorenes Gras unter Hügeln aus Plastikfolie. Gepflegte Vorgärten überall. Rhododendren vorzugsweise. Rosen wachsen am Haus. Hagebuttenbüsche begrenzen den Besitz zur Straße hin.
Andere wiederum sind klein, gedrungen, weiß gekalkt mit roten oder schwarzen Dächern, von denen selbst mit Abstand das Moos auf den Schindeln zu erahnen ist. Grünspanig verlaufen schmale Fäden an der Hauswand entlang. Unten zwei Fensterpaare, darüber noch einmal und im Giebel, mittig, ein kleines Fenster.
Kalt und feucht erscheinen sie bei meiner Betrachtung und sind es oftmals, wie ich es aus meiner Erinnerung hervorkrame. Sie stehen einsam auf weiter Flur. Die Straße, die zu ihnen führt, verläuft, wie die Baumalleen, durch die Felder. Sie sind der perfekte Gegenentwurf zur großstädtischen Rushhour. Hier gibt es nichts, was die Einsamkeit stört, was ablenkt von Gedanken, die im Kopf den Raum füllen. Flach und weit und mitunter einsam ist der norddeutsche Teil meiner Heimat, den ich verlasse. Mein Herz ist schwer.

