Es ist eine schlechte Eigenschaft, das Intro eines Textes mit den Worten: es tut mir leid anzufangen, deshalb vermeide ich es an dieser Stelle. Schließlich ist es strategisch fragwürdig, wenn ich mich im Voraus dafür entschuldige, was ich hinterher sage. Dann kann ich es gleich bleiben lassen. Aus diesem Grund stelle ich euch nur die Fragen: Verbringt ihr die Weihnachtszeit ausschließlich mit denjenigen Personen, die euch wirklich am Herzen liegen? Oder ist auch Tante Lisbeth dabei, die nur über ihre Krankheiten spricht?
Es tut mir leid, ich muss euch auf den Zahn fühlen. Denn wie immer zur großen Familienfestspielzeit sind Personen zugegen, die verwandtschaftlich dazu gehören, die jedoch stets eine Spezialbehandlung bedürfen. Oder deren Themen grundsätzlich das Gesprächspotpourrie am Familientisch bestimmen. Ich möchte mich diesbezüglich nicht beklagen oder euch dazu einladen, von diesem Allgemeinplatz auf meine Situation zu schließen. Dennoch ist geballte Familie wie ein Schnellzug, der mit besonderer Fingerfertigkeit durch enge Kurven gelenkt gehört, um nicht zu entgleisen.
Damit nicht ein Wort das andere ergibt und aus Respekt vor Alter und Stellung in der Hackordnung am Tisch, ist es ratsam, kompromissbereit zu sein. Der Klügere gibt nach.
Daher kann es eine durchaus wertvolle Erfahrung sein, wenn zwischen unterschiedlichen Meinungen eine Alternative gefunden wird. Eine, die das Gesicht beider Seiten wahrt. Ein bisschen nachgeben richtet meistens deutlich weniger Schaden an, als es ein schief hängender Haussegen um die Feiertage herum tut. Und damit einem der Gänsebraten nicht im Hals stecken bleibt, ist deshalb Weitblick gefragt. Das schöne daran kommt später zum Vorschein, wenn sich die erhitzten Gemüter beruhigt haben. Wenn wir dann doch wieder miteinander lachen und scherzen können. Wenn niemand außen vor steht. Gelingt uns das in einer schwierigen Situation, dann wird es weihnachtlich, weil es bedeutet: ich habe dich gesehen, deine Bedürfnisse verstanden, ich mag dich.

