Gleich nach dem Frühstück ist es heute Morgen soweit. Die andere Hälfte meines Haushalts und ich starten mit unserer Tagesaufgabe, dem Ausmisten. Alle Jubeljahre ist das nicht nur dringend notwendig, sondern allein schon aufgrund des Platzmangels unumgänglich.
Die Rheinländer haben in diesem Zusammenhang einen pragmatischen Ansatz. Sie gehen nach der Devise vor: „Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“ (§ 6 Rheinisches Grundgesetzt). Ob die Schwaben Ähnliches am Start haben, kann ich nicht sagen, da müsste ich innerfamiliär nachfragen. Bekannt ist mir bisher nichts.
Ich kenne eine weitere, ebenfalls ausgeklügelte Methode, sich von den Sachen zu trennen, die Überflüssig sind. Entwickelt und jahrzehntelang erprobt von meinem Vater. Er trennt sich konsequent von den Sachen, die er ein Jahr lang nicht in der Hand, also nicht benutzt hat. Das ist rigoros. Aber es bleibt übersichtlich.
Manchmal fallen im Eifer des Gefechts Dinge dem Ausmisten zum Opfer, die möglicherweise doch eine gewisse Daseinsberechtigung auch ohne jährliche Handhabung gehabt hätten. Das ist richtig. Als ich ihn neulich fragte, wo er bestimmte Unterlagen aufbewahren würde und er mir daraufhin den Koffer im Keller zeigte, entpuppte sich dieser als leer.
Die andere Hälfte meines Haushalts hat schon gut vorgelegt. Ich tue es ihm gleich. Übers Jahr gesehen, verfolgen wir beide unterschiedliche Ansätze. Er ist Team: ich schmeiße alles irgendwie zusammen und miste aus, wenn es nötig ist. Ich bin Team: ich sortiere vor und mache „Kleinausmistungen“, dann ist es für mich weniger chaotisch. Trotzdem. Es ist erstaunlich, welch unsinniges Zeug im hintersten Winkel ein Dasein fristen. Warum habe ich das nicht längst entsorgt?, frage ich mich erstaunt.
So haben wir unsere unterschiedlichen Herangehensweisen und kommen doch beide zum Ziel. Auf einem Haufen stapeln sich nun Kartons, die wir morgen endgültig beim Wertstoffhof entsorgen. Bin gespannt, wie viele dieselbe Idee hatten.

