#733 Gänseblümchen zum Trotz

Die Eisschicht auf meinem Waschzuberteich im Garten ist schon ordentlich dick. Es dauert nicht mehr lange, bis das Wasser darin bis zum Boden gefroren ist, wenn es kalt bleibt. Ich bin gespannt, ob die alte Zinkwanne dieser Herausforderung gewachsen ist.

In den schönen Sonnenstrahlen dieses herrlichen Wintertages schaue ich mich im Garten um. Zugegeben, es gibt nicht viel zu sehen und außer einen paar übergriffigen Ranken des Je-länger-je-lieber-Strauchs Einhalt zu gebieten, ist nichts zu tun. Der Boden ist gefroren und mit einer dünnen Schicht aus Raureif überzuckert. Ich schaue genauer hin und entdecke es. Das eine kleine Gänseblümchen, das vorwitzig, vielleicht ein wenig unvorsichtig oder übereifrig bereits jetzt, im Winter, seine Blüte geöffnet hat. Ein kleiner Vorbote auf die Zeit des Überflusses, des Erwachens der Natur.

In nicht allzu langer Zeit, wird unsere Wiese wieder ein weißes Blütenmeer sein. Ein Gedanke, eine Erinnerung und ein Versprechen, welches ich gerne annehme in einer Zeit, in der mancherorts das Chaos herrscht.

Es ist surreal zu beobachten, wie etwas Zartes, Verheißungsvolles neben den Katastrophen in dieser Welt bestehen kann. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen? Es könnte einfach sein. Oder eben nicht. Ist das der Auftrag, den wir alle zu erfüllen haben? Unser bestes zu geben, egal, wie die Situation um uns herum ist. Zu blühen, wenn nicht die richtige Zeit ist. Ich merke, wie ich abschweife. Das möchte ich gar nicht. Ist bestimmt der Zeit des Jahresanfangs geschuldet. Mag sein. Ich wünsche uns allen dieselbe Courage für das neue Jahr, wie es das Gänseblümchen hier aufbringt. Dann kann aus jedem widrigen Umstand etwas Neues, etwas Positives erwachsen.

Ich finde diesen Gedanken tröstlich, ihr auch? Außerdem fokussieren wir uns viel zu selten auf die Dinge, die wirklich schön sind, dabei macht das doch viel mehr Spaß als zu hadern, stimmt’s?

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