#734 Schnee von gestern, oder? – Teil 1

Wie ein Käfer liege ich auf dem Rücken. Mein quietschgrünes Finisher-Handtuch vom Triathlon in Tübingen unter mir und bin bereit. Bereit für die nächste Übung. Dazu liege ich, wie gesagt, auf dem Rücken. Oberschenkel und Unterschenkel habe ich jeweils im rechten Winkel zu Hüfte und Knie angehoben. Meine Füße klemmen zwischen zwei gepolsterten Rollen. Ich bin ready für die Crunches, die jetzt auf meinem Trainingsprogramm stehen.

Ich spanne meine Bauchmuskeln an, hebe meinen Oberkörper nach oben und tippe mit den Fingern auf meine Zehenspitzen in den Turnschuhen. Zehn Mal mache ich das, dann sind die schrägen Bauchmuskeln dran. Ich drehe meinen Oberkörper nach links, greife mit beiden Händen neben mein Knie. Dann führe ich dieselbe Bewegung nach rechts aus. Es zieht im Bauch. Ich schnaufe ein wenig dabei. Es ist anstrengend. Nach dem ersten Durchgang tippe ich auf den Haken hinter der Übung auf meinem Handydisplay. Er springt auf grün als Zeichen für: erledigt. Die App zählt nun eine Intervallpause von anderthalb Minuten runter. Ich bleibe auf dem Rücken liegen. Mein Bauch hebt und senkt sich noch von der Anstrengung, während meine Gedanken abschweifen. Zu Heinrich wandern.

In den vergangenen Weihnachtsferien habe ich ein wenig Recherchearbeit hinsichtlich unserer Familienbiographie unternommen. Habe in alten Unterlagen geblättert, Schriftstücke entziffert, schwarz-weiß-Fotos angeschaut. Ich saß auf dem Sofa, habe in Archiven nach zwei Namen gesucht und habe einen Namen zweifelsfrei gefunden. Geburtsdatum und Geburtsort stimmen mit den Informationen überein, die mir vorliegen. Heinrich, der älteste Bruder meiner Großmutter, ich habe ihn gefunden. Im Bundesarchiv für Euthanasieopfer.

– Fortsetzung folgt –

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