„Aus dem Nähkästchen plaudern“ ist ziemlich genau das, was ich seit über zwei Jahren hier veranstalte. Doch wer hat heutzutage noch eins? Ich schon und das seit immer, möchte ich meinen. Wenn ich es mir recht überlege, wäre das ebenfalls kein schlechtes Icon für meinen Blog. Das muss ich mir merken. Schließlich vertraue euch ständig meine Geheimnisse an. Ob ihr wollt oder nicht.
Heute bin ich zusätzlich physisch über diese Redewendung gestolpert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe etwas gesucht. Im Nähkästchen. Was ich dort nicht fand, waren Geheimnisse. Nur eine furchtbare Unordnung, die mich zu einer schönen Erinnerung führte. Warum ich mich ausgerechnet daran entsinne, ist mir rätselhaft. Ich weiß, wie ich zu meinem ersten Nähkästchen kam.
Auf dem Weg zum Supermarkt ging ich an der Hand mit meiner Mutter an einem Gemischtwarenladen mit Kinderspielzeug vorbei. Das Geschäft hat mich magisch angezogen und ich würde es heute mühelos wieder finden. In seinem Schaufenster waren viele nützliche Dinge ausgestellt. Das Nähkästchen beispielsweise. Ein runder Korb. Geflochten. Mit einem Kunststoffinnenleben und vielen Fächern auf einem dreibeinigen Holzgestell. Obenauf hatte er einen stoffbezogenen Deckel mit fragwürdigem Muster und einem Pommel zum hochheben.
Irgendwann hatte ich meine Mutter weich gekocht und war stolze Besitzerin eines Nähkorbs auf drei Beinen geworden. Und jetzt? Das hatte ich dummerweise nicht bedacht. Ich hatte weder Utensilien, ihn zu bestücken noch eine Affinität zu Handarbeiten. Ich war damals wirklich jung. Vielleicht sechs oder sieben Jahre alt und saß nun da mit dem guten Stück. Was genau ich darin aufbewahrte, kann ich euch nicht mehr sagen. Bestimmt eine Mischung an dem Kleinkram, den Kinder in diesem Alter eben rumfliegen haben. Wenn ich es recht bedenke, bin ich offensichtlich nicht weiter gekommen im Leben. Mein Nähkästchen sieht vermutlich heute nicht anders aus als damals.

