#742 analog

Wie Rotkäppchen habe ich mir den roten Plastikeinkaufskorb über den rechten Arm gestreift, trage ihn in der Armbeuge und schlendere durch den Supermarkt. Es ist bereits die zweite Runde, die ich heute durch einen drehe. Vorhin, in Bad Canndings, war ich nicht ganz auf der Höhe, habe prompt etwas vergessen. Selbst jetzt bin ich unschlüssig, was genau ich eigentlich will. Denn eigentlich (schönes Wort) bin ich hier, um eine Sache zu kaufen. Schaue ich allerdings in meinen Korb, ja, dann findet sich dort mehr als das, was ich vorhin vergessen habe. Wundersame Vermehrung. Alles Schnäppchen. Oder so.

Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich will. Ich bin planlos. Keine gute Sache im Zusammenhang mit einkaufen. Aber egal. Zum Glück hilft mir meine jahrelange Routine. Und weil ich sowieso nur nach Kühlschranklage koche, ist es fast egal, was drin ist.

Zwischen den beiden Supermarkttouren war ich anderweitig beschäftigt. Aus einem Impuls heraus, habe ich einen meiner liebsten Lieblingsmenschen angerufen und siehe da, wir haben uns spontan zu einem Kaffee in der Altstadt getroffen. Unsere Wege haben sich nun wieder getrennt und als Ergebnis stehe ich jetzt an der Kasse. Ich habe mich gegen den Selbstscanner und für die Old-School-Variante entschieden. Die Person vor mir ist ähnlich verpeilt wie ich. Ihr fallen tausend Dinge ein, die sie noch haben möchte. Einen Schein gegen Münzen tauschen etwa, was die Kassiererin lässig nimmt. Ich drängle nicht. Wozu auch?

Beim Rauslaufen fällt mir wieder mal das Schwarze Brett auf, das über den Recycling-Behältern an der Wand hängt. Analog. Kein Schnickschnack, Authenticator, Handy-App oder weiterem elektronischen Sonstwas (#740 Die Waage). Hier können Menschen ohne Digitalkram in Kontakt treten. Barrierefrei. Wird heutzutage ein Schwarzes Brett unter „barrierefrei“ verortet? Ich weiß es nicht. Die Zeiten ändern sich. Ich bin mittendrin als Wandlerin zwischen den Welten.

Teilen:

Weitere Beiträge

#788 I did it again

„Rauf, rauf, rauf, immer nur die Treppe rauf“, ist familienintern ein geflügelter Satz, den wir einem Spielfilm geklaut haben. Daran

Weiterlesen