Es gibt diejenigen Ecken, die Staub oder, wie in diesem Fall, Spinnweben, ansetzen. Wir kennen das alle. Die Orte, an die der Staubwedel nicht ran reicht. Die vergessen, absichtlich oder unabsichtlich, ihr Dasein fristen. Wie häufig wische ich schon oben auf den Schränken oder räume den Keller auf? Selten.
Naja, es reicht schließlich oft, wenn das nahe Umfeld okay ist. Die Dinge, die aus technischen Gründen regelmäßig gereinigt werden müssen (Siphon) oder das, was jedem von uns bei der Hausarbeit Spaß macht, das meine ich an dieser Stelle nicht. Ich meine die Flecken in meinem Zuhause, die sich meinem Blickfeld entziehen. Und dem Blickfeld der anderen Hälfte meines Haushalts, versteht sich. Wir agieren nach dem Motto: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Theoretisch ist mir bewusst, dass ich hier eingreifen müsste. Aber ich verschiebe den Gedanken auf unbestimmte Zeit, bis er wieder ins Reich der Verdrängung abdriftet. Aus den Augen aus dem Sinn, gewissermaßen.
Ähnlich ergeht es mir, wenn ich in meinen Erinnerungen krame. Auch hier gibt es Angestaubtes, das im diffusen Licht vor sich hin dümpelt. Wenn ich bei meinen häuslichen Reinigungsarbeiten Nachsicht walten lasse, gelingt es mir bei meinen Erinnerungen aktuell nicht.
Im Gegenteil. Ich stelle mich absichtlich dieser Aufgabe und miste mal so richtig aus. Dabei fördere ich ein Schätzchen nach dem anderen ans Tageslicht. Kuriositäten, Raritäten sind ebenfalls dabei. Genauso wie solche Sache, die kein Tageslicht mehr erblicken sollten. Doch es hilft alles nichts. Ich merke, wie mein Bedürfnis wächst, mich um alles zu kümmern, was ich auf dem Dachboden der Erinnerungen finde. Das ist anstrengend. Es laugt mich aus. Mental. Gleichzeitig gewinne ich viel. Ich kenne den Schmerz. Er ist vergleichbar mit dem Wohlfühlschmerz, den ich bei den Behandlung beim Physiotherapeuten erlebte. Hinterher wird es besser sein. Ganz sicher.

