Es gibt sie noch, versprengte Originale des einst kultigen Blatts, das Teenies rauf und runter beschäftigte: die BRAVO. Mir sind gleich zwei dieser Exemplare auf mysteriöse Weise in die Finger gelangt. Ein wenig zerfleddert, unvollständig und gebeutelt, kommen sie in einem ähnlichen Erscheinungsbild daher, wie ich inzwischen ebenfalls. Ist wohl normal nach vierzig Jahren.
Aus der Zeit gefallen, versprühen sie den Charme der 80er. Ob ich es will oder nicht. Kawumm – ich bin zurück in meiner Vergangenheit, blättere als Teenagerin darin rum und bin mir fast sicher, genau diese Ausgabe bereits schon mal gelesen zu haben.
Mit heutigem Blick und Verständnis wirkt die Zeitschrift befremdlich, was den Umgang mit Sexualität und Sprache anbelangt. Damals. Wörter, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind, gibt es haufenweise. Jedenfalls habe ich bisher nie hippe Influencer:innen das Wort „Bude“ als synonym für (Kinder-)Zimmer benutzen gehört. Und das ist harmlos, im Gegensatz zu manch anderer Formulierung.
Abgesehen davon holt mich ein anderes Schreckgespenst ein, als ich auf der Seite mit der Hit-Parade angelange: „Atlantis is calling“ ist die Nummer 1 der Single-Charts. Heilige Sch…, das ist immer noch peinlich, war jedoch en vogue. Prinzessin Stéphanie räkelt sich im knappen Bikini vor der Kamera und ein Junge namens Wolfi gibt Schmink-Tipps. So gesehen, haben sich die Inhalte der Medien wenig verändert. Bis auf das Medium selbst. Wir müssen keine Woche warten, bis die nächste heikle Geschichte, fulminante Enthüllung oder trendiges Rezept die Runde macht.
Mich beschäftigt nun der Gedanke, wo ich das Starschnitt-Poster von a-ha aufhängen soll. Als ich die andere Hälfte meines Haushalts darauf anspreche, bekomme ich die umgehende Antwort: im Keller. Klar. Hätte ich vermutlich ebenfalls geantwortet. Oder? Ein Poster im Schrank von Morten Harket? Überleg ich mir (Zwinkersmiley). Trotzdem, ein tolles Konzert, damals auf dem Schlossplatz, war es schon.

