Der Tag ist nicht mehr frisch und wir, die andere Hälfte meines Haushalts und ich, haben es gemütlich angehen lassen. Gestern spät ins Bett, bedeutet heute lange schlafen. Sonntags ist das kein Problem und weil die heutigen Aufgaben überschaubar sind, genießen wir gemeinsam einen durchaus langsamen Start in den Tag.
Nach dem Frühstück mache ich mich über meine: alte Brötchen- und Brotsammlung her, denn fürs Abendessen habe ich ‚Semmelnknödeln‘ geplant. Als mein Blick in die Tüte fällt, erinnert mich der Anblick unwillkürlich an früher. Damals. Auch meistens sonntags, als ich beim Bäcker nach altem Brot fragte, um es mit zu den Pferden zu nehmen. Das sah genauso aus. Jedoch war meine Intention, wie ihr versteht, eine komplett andere, oder nicht?
Der Bäcker war froh, die Reste der letzten Tage bei mir los zu werden und ich konnte für einen winzigen Obolus mein Pony glücklich machen. Dabei hatten die Pferdezähne ordentlich was zu tun, wenn sie auf den harten Kanten rumkauten. Aber es gefiel meiner Stute, die mir auffordern neckend ihren Kopf in die Seite stupste, um weitere Leckerlies zum Knabbern zu bekommen. Währenddessen kraulte ich ihr die Mähne, klopfte beruhigend ihren Hals. Genau dieses Bild der gierigen Pferdeschnute habe ich im Kopf, als ich das Brotmesser zur Seite und ein schärferes aus der Schublade nehme, weil einige Exemplare widerspenstig sind.
Mit Kraft zerteile ich krachend die Reste, die sich in der Tüte befinden, wobei die Krümel durch die Luft springen und überall hinfallen. Das ist eine ganz schöne Sauerei, die ich hier veranstalte. Da muss ich gleich mit dem Staubsauger ran, um meine Küche krümelfrei zu bekommen. Nun, darum kümmere ich mich, wenn ich fertig bin. Schließlich ist meine Mission heute, wieder jemanden glücklich zu machen. Wozu altes Brot immer noch gut ist – für ein leckeres Abendessen allemal.

