Wenn ich könnte, wie ich wollte, dann hätte ich den heutigen Tag wahrscheinlich mit Mandala malen verbracht. Nein, selbstverständlich hätte ich das nicht, denn sowas habe ich bisher noch nie getan und falls doch, ist es lange her, dass ich mich nicht mehr erinnern kann. Außerdem habe ich gar keine Vorlage zur Hand. Gut, dieses Argument zählt in Zeiten des digitalen Massenkonsums wenig, denn ein Bildchen zum ausmalen ließe sich bestimmt im Netz finden. Aber es geht auch ohne.
Ich verliere mich eine kurze Weile in der Betrachtung einer Kerzendose, deren Deckel eben ein Mandala ziert. Einfach nur malen, Form für Form und nichts dabei denken. Es hätte mir ausgezeichnet gefallen, mich einzig mit den Fragestellungen: ‚mit welcher Farbe mache ich weiter ?‘ und ‚welche Form ist als nächste dran?‘ zu beschäftigen.
Kennt ihr das? Meditativ die Hände bewegen und ansonsten nichts weiter tun? Leider bin ich nicht in der Lage, mir meine Tätigkeiten in Gänze auszusuchen. Aus diesem Grund bemühe ich meine Fantasie (#755 Fantasie) und stelle es mir einfach bildlich vor. Meine Gedanken kommen langsam zur Ruhe, indem ich in den Entspannungsmodus wechsle. Schließlich liegt es an mir, wie ich den heutigen Tag verarbeite, der mir viel Contenance abverlangte.
Lebenserfahrung gehört bei der Verarbeitung erstaunlicherweise zu jenem Aktivposten, der Gelassenheit vor Rage, Schweigen vor Maßregelung und Zielerreichung erfolgreich vorm eigenen Ego platziert. Wenigstens ein Vorteil, der Falten und graue Haare abmildert. Und hilfreich obendrein. Für alle Beteiligten und besonders für mein Seelenheil. Solange ich nicht über jedes Stöckchen springe, kann ich mir selbst in die Augen schauen. Das ist wesentlich.
Genug lamentiert. Ich stelle die Kerzendose zurück ins Regal, räume meinen Schreibtisch auf und verschiebe restliche Ärgernisse auf den Tag x im Vertrauen darauf, dass selbst ich nicht alles so heiß esse, wie es gekocht wurde.

