#765 Faschingsdienstag

Da am Faschingsdienstag fast alles vorbei ist und die Narrenzunft sowie alle Jecken landauf und landab geduldig auf den elften November warten müssen, gibt es von mir ein paar Gedanken zum Karneval. Am Karneval scheiden sich die Geister. In diejenigen, die es kaum erwarten können und diejenigen, die das nicht tun. Also das: Erwarten können.

Nun, meine rheinische Seele ist an dieser Stelle ebenfalls indifferent, gebe ich zu. Ganz einfach deshalb, weil ich beides bereits erlebte. Fulminante Feste und eine tolle Stimmung. Aber auch ein Zug durch die Kneipen der Altstadt, der zwar feucht aber nicht fröhlich war. Mit der Stimmung ist es immer so eine Sache. Mal passt es gut und mal nicht. Woran das genau liegt, ist, glaube ich, ein weites Feld und hat was mit der Verkettung sämtlicher Umstände zu tun, die wir uns wohl vorstellen können.

Ich für meinen Teil freue mich allerdings sehr darauf, ja, ich fiebere dem geradezu entgegen, was der Kölner Ableger unserer Familie sich als Kostümierung hat einfallen lassen. Die Fotos der Verkleidungen erwartete ich auch dieses Jahr wieder mit Spannung. Ein etwas älteres Rotkäppchen hat die Blicke an sich gezogen und nicht nur die. Im benachbarten Leverkusen soll sogar ein echter Wolf unterwegs gewesen sein. Ob das ein Zufall war oder dem Rotkäppchen geschuldet, gehört ins Reich der Fantasie.

Ein Reiter war ebenfalls darunter. Sein Pferd trug jenen Ausdruck störrischen Unbehagens, den ich gut kenne und es verdammt echt aussehen ließ. Ich habe sehr gelacht und somit einen kleinen Teil, einen winzigen, vom Karnevalsflair erhaschen können. Ansonsten war ich froh, nicht bei ungemütlichem Wetter am Straßenrand ausharren zu müssen. Anscheinend sind meine Karnevalsgene über die Jahre im Exil womöglich etwas verkümmert. Was mein Kostüm in diesem Jahr gewesen wäre, hätte ich eins gebraucht? Gute Frage. Darüber müsste ich noch nachdenken.

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