#792 aus gegebenem Anlass, Teil 2

Ich war aufgebracht. Erzählte den Menschen um mich herum, dass der Typ dort hinten mich angegrapscht hatte. Der wiederum stieg aus dem Becken und lief nun am Beckenrand zu mir.

Er kam langsam her geschlendert. Bei mir angekommen, regte er sich ob meiner Bemerkung „Arschloch“ auf. Was mir denn einfiele, ihn zu beschimpfen, wollte er wissen. Ich erklärte ihm, dass er genau wissen dürfte, weshalb ich das gesagt hatte. An welcher Stelle meines Körpers er gegriffen hatte, also ehrlich, das konnte ihm gar nicht entgangen sein. So viel stand fest. Er argumentierte damit, ich würde viel schneller schwimmen als er. Stimmt. Was das mit dem Grapschen zu tun hatte, erschloss sich mir nicht.

Inzwischen war mein Mann da und bekam mit, was passiert war. Er zögerte keinen Augenblick, stütze sich am Beckenrand auf und stieg ebenfalls aus dem Wasser. Dabei machte er ihm unmissverständlich deutlich, dass wir die Angelegenheit mal kurz beim Bademeister klären konnten. Sofort wendete sich das Blatt und der Typ zog Leine.

Das Gefühl, das ich als Frau bei diesem Vorfall empfand, ist schwer beschreibbar. Dieser winzige Moment, sekundenschnell. Aus dem Nichts. Mich völlig unvorbereitet treffend. Peinlichkeit. Scham. Angst. Ungläubig, dass mir das passierte. Ausgerechnet mir. Hier, im vollen Schwimmbad. Hat jemand meine nackte Brust gesehen? Wird mir geglaubt? Oder bildete ich mir alles nur ein?

Was wäre gewesen, wäre mein Mann nicht dazu gekommen? Hätte ich alleine den Mut aufgebracht, mich gegen meinen Angreifer zu wehren? Verbal. Was hätte ich getan? Hätte ich mich getraut, aus dem Wasser zu steigen? Wäre ich auf die Idee gekommen, zum Bademeister zu gehen – wieder zu einem Mann (by the way)? Wahrscheinlich hätte ich das Schwimmbad schnellstmöglich verlassen. Hätte mich davon geschlichen, peinlich berührt, wie ich war. Ich weiß es nicht.

Das ist nicht das einzige Erlebnis dieser Art. Ich hätte darauf gut verzichten können.

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