#796 Aprilwetter

Der Morgen des ersten Aprils startete bereits, wie ich es von ihm erwartete. Es war grau, kalt, ungemütlich und zugig. Auf meinem Weg ins Büro kam zusätzlich noch eine dicke Portion Graupel herunter. Ja, was will ich mehr, als mir alle meine Vorurteile bestätigen zu lassen. Aber gewiss ist ebenfalls: der April kann auch anders. Schön, warm, sonnig, vielversprechend. Heute ist er allerdings weniger gut aufgelegt.

Während die Scheibenwischer hin und her wischen, rollt allerdings der Verkehr. Die Schulferien machen sich bemerkbar, was definitiv einen Pluspunkt auf sein Konto einzahlt, selbst wenn er damit nichts zu tun hat.

In meiner morgendlichen Drömmerei, schaue ich mir die LKW-Werbung an. Also die Hinweise, die auf den Planen aufgedruckt oder am Heck angebracht sind. Einer ist über und über in den schrillsten Farben angepinselt. Selbst das Führerhaus ist bunt. Ein schöner Kontrast zum Himmelsgrau.

Dann überhole ich eine glückliche Familie in ihrem offensichtlich neuen Badezimmer. Vater, Mutter, Kind im Schaumglück. Und dann kommt der Transporter mit den glücklich lächelnden, freundlich dreinschauenden Schweinen und Kühen. Der Bauernhof bei Sonnenschein im Hintergrund, saftige Wiesen, viel Platz und Auslauf. Ich schaue in fröhliche Kuhaugen und scheinbar lächelnde Schweinegesichter. Eines von ihnen kaut versonnen auf einem Grashalm herum.

Wenn die wüssten, denke ich bei mir und bekomme sofort ein schlechtes Gewissen. In dieser Idylle leben wohl wenige ihrer lebendigen Artgenossen, schon gar nicht bis zu ihrem Lebensende. Ein gemalter Euphemismus. Was sagt ihr dazu? Obwohl wir es sogar selbst in der Hand hätten, dass die Tiere, die wir essen, wenigstens ein anständiges Leben bis zum Schlachthof haben. Ich glaube, die Abstraktheit des Bildes und die Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse lässt ihn zu. Das ist nicht das einzige Beispiel. Das was wir hören und sehen, ist etwas komplett anderes als das, was wir fühlen. Meistens jedenfalls.

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