#802 Knotenpunkte

Ich bin wieder da. Zur Stippvisite in meiner früheren Heimat. Die Sonnenstrahlen fallen vom blauen Himmel direkt auf Häuser, Straßen, Wege für Fußgänger oder Radfahrer und auf mich. Sie werden noch nicht von den Blättern an den Bäumen daran gehindert. Diese sind ganz klein, schimmern hellgrün und verstohlen an den kahlen Ästen und dürren Zweigen der großen Bäume hervor, die meinen Weg säumen. Es wird ein paar Tage dauern, bis sie sich zu einem grünen Blätterdach vereint haben und Fußgängern, Radlern, Kindern oder den Hunden unter ihnen Schatten spenden.

Hier, in meiner alten Hood, kenne ich jeden Baum, jeden Strauch, begrüße Althergebrachtes und Neuhinzugekommenes, dem ich auf meinem Wegen durch die verwinkelte Innenstadt begegne. Viele Plätze draußen in den Cafés sind schon belegt. Die Einheimischen lassen sich nicht lumpen, ignorieren kühle Temperaturen grundsätzlich und genießen den Sonnenschein.

Ich schaue in deren Gesichter. Immer auf der Suche, ein bekanntes zu erblicken. Wie mögen die Menschen von damals wohl heute aussehen? Ich ertappe mich dabei, mir viel zu junge Gesichter anzuschauen. Ich sollte eher in meiner Altersklasse suchen. Aber was bedeutet das wirklich? Das ist gar nicht einfach. Schließlich blicke ich durch dieselben Augen, wie noch vor zwanzig , dreißig Jahren und fühle mich dementsprechend deutlich jünger und attraktiver als das Spiegelbild, das mir nun präsentiert wird. Dummerweise hat nämlich die Frau dort wenig mit dem Bild gemein, das ich von mir selbst im Kopf habe.

Also lege ich in der Umkleidekabine meines Lieblingsstores seufzend die Sweatshirts beiseite, die mich zuvor munter anlachten. Heute will mir irgendwie nichts recht passen. Ich bin in einem „Bad Hair Day“-Gefühl gefangen. An solchen Tagen läuft nichts zusammen. Ich lasse Klamotte, Klamotte sein und stöbere lieber im Buchladen um die Ecke. Die Chance, hier etwas passendes zu finden, ist unter heutigen Umständen deutlich größer.

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