Ich ziehe den Koffer auf dem rot gepflasterten Gehweg hinter mir her. Sein regelmäßiges Rattern begleitet mich. Links von mir ist der Gehweg blau gepflastert. Einheimische wissen: hier verläuft der Radweg. Ich bin auf meinem Heimweg. Gerade eben haben wir uns wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die einen bleiben hier, die anderen Fahren nach Norden, gen Süden. Mit dem Auto oder mit der Bahn. Nur kurz währte unser Treffen dort, wo für mich und meinen Bruder Kindheitserinnerungen stecken. Unser Familientreffen in Oldenburgaria.
Gestern Abend noch ging es hoch her. Die Jüngsten nutzten jede Gelegenheit, um die Couchgarnitur über die Rückenlehnen zu erobern oder zwischen Sofa und Wand in die Höhle zu kriechen. Gut gewischt ist es dort jetzt. Ein wenig neidisch war ich schon, dass ich mich nicht mehr getraue ebenfalls einen Purzelbaum aufs Sofa zu machen. Einzig mein Alter, meine Körpergröße sowie der strenge Blick meiner Mutter – der erzielte seine Wirkung – es mir untersagten.
Abwechselnd wurde musiziert. Von denen, die es ordentlich gelernt und von jenen, die es sich autodidaktisch selbst beibrachten. Klassik meets Evergreens. Es war laut und lärmend. Die Enkelin erklärte dem Großvater wie er eine WhatsApp-gruppe erstellt, dafür wurde sie von ihm in die Geheimnisse der Exceltabelle zu finanztechnischen Dingen eingeführt. Andere saßen da, redeten oder hörten zu. Ein Fotoalbum machte die Runde.
Ein Album aus jüngeren Tagen, das in der Rückschau stets idyllisch die Welt verklärt. Reiseerinnerungen, Freunde, Bekannte, Familientreffen. Orte, die es nicht mehr gibt. Menschen, die es nicht mehr gibt. Wer ist das? Wo war das noch mal? Raten mussten wir, manchmal, meistens war es unter den Bildern sorgfältig notiert. Ein kleines Mädchen auf dem Töpfchen, kleine Kinder, blondgelockt oder rothaarig schauten keck in die Kamera in Posen, die mir ans Herz gewachsen sind. Unikate allesamt, die Fotos mit ihren Erinnerungen.

