Der Wecker ist gestellt. Er spielt die hinterlegte Musik zur geplanten Uhrzeit zuverlässig ab und ich erlaube mir einmal die Snooze-Taste zu drücken. Draußen ist es noch dunkel und die Vögel machen sich gerade bereit für ihr Morgenkonzert. In weiser Voraussicht habe ich gestern Abend bereits Vorkehrungen zur Abfahrt getroffen. Der Wasserkessel auf dem Herd ist gefüllt, Kaffeepulver in der French Press, die Klamotten liegen bereit. Alle Taschen sind bis auf den Waschbeutel gepackt und im Auto verstaut. Mein Rennrad ebenfalls. Das Gravel kommt hinten drauf.
Wir teilen uns die Aufgaben, die andere Hälfte meines Haushalts und ich. Ich leiste mir den Luxus von zwei Rädern, schließlich will ich für alle Eventualitäten präpariert sein, wenn ich am Mont Ventoux radle. Zu einem gewissen Zeitpunkt macht es halt nur das Material (Zwinkersmiley).
In der Provence treffen wir auf Freund:innen, Vereinskammerad:innen mit denen wir ein paar Tage zum gemeinsamen Training verbringen wollen. Der Nachrichtenkanal in unserer Vereins-App läuft heiß und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Fahrt.
Zum Sonnenaufgang geht es für uns auf die Straße. Nebelschwaden hängen wie Zuckerwatte über den Feldern und Wiesen, zwischen den Baumstämmen kleiner Waldstücke in den Senken an denen wir vorüberfahren. Fast möchte ich einen langen Holzspieß hineinhalten, wie ich es oft auf Jahrmärkten sah und die Fäden zu einer Wolke aus Zucker aufwickeln. Der knisternde Geschmack, wenn die Fäden im Mund schmelzen, das gierige Hineinbeißen und die klebrige Schnüss, klebrigen Finger hinterher erfüllen mich für einen kurzen Augenblick mit wohligen Kindheitserinnerungen.
Dann sehe ich es vor mir, das Alpenpanorama. Blaue Gipfel-Silhouetten vor blauem Himmel. Wir werden eine Weile unterwegs sein und während wir uns den Bergen langsam nähern überlege ich, welche Leckereien ich unbedingt aus der Provence brauche. Meine Einkaufsliste füllt sich rasch. Ich seufze innerlich und freue mich auf La France.

