#876 Entspannung

Schlappe Schafe schlafen im Schatten, dachte ich mir bei diesem Anblick, nun, den ging es nicht anders als mir. Sie dösten vor sich hin – ich bewegte mich im Schneckentempo. Bloß nicht zu viel machen, lautete die Devise, denn es war heiß in den vergangenen Tagen. Reglos standen die Schafe also hinterm Zaun auf ihrer Weide. Dicht an dicht. Wollleib an Wollleib. Die Körperwärme war scheinbar besser auszuhalten als die Hitze der Mittagssonne. Jedes bisschen Schatten, das zu dieser Zeit besonders rar war, wurde unter dem großen Baum ausgenutzt. Kein Bein, kein Schwanz, kein Ohr ragte über den Schatten hinaus. Sie taten keinen Mucks, selbst dafür war es zu warm.

Erst der Regen der vergangenen Nacht, sorgte für etwas Entspannung. Jedenfalls bei uns. Und die Wolken, die heuten den vormals knallblauen Himmel bedecken, ebenfalls. In der Nacht stand ich extra auf, um mich zu vergewissern, dass es wirklich regnete. Das war wichtig. Ansonsten hätte ich heute morgen noch früher aus den Federn gemusst, um den Garten zu gießen. Ich legte mich zurück ins Bett, schlief mit Dalidas Schlagertext: „Am Tag als der Regen kam, heiß erfleht. Auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder…“, ein.

Jetzt sitze ich auf meinem Küchenbalkon, schreibe und lausche. Ich kann das Geräusch nicht zuordnen. Es ist wie ein Knistern. Ganz leise. Es kommt aus unterschiedlichen Richtungen. Was ist das? Ich muss mich anstrengen, dass ich es überhaupt höre. Ich schaue auf mein Futterhäuschen. Haben die Spatzen es vielleicht entdeckt und knabbern an den Körnern? Könnte sein. Nein, da sind keine Vögel. Dann dämmert es mir, klar, bin ich blöd. Das sind ganz vereinzelte Regentropfen, die auf das trockene Laub, den vertrockneten Boden fallen. Daher das Knistergeräusch. In der Ferne grummelt es ein wenig. Vielleicht gewittert es gleich. Wie sich das gehört. Sommer eben.

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