#905 ach ja, ach so, ach was

Ach ja, es gibt Tage, an denen unter der Woche abends ein Tröpfchen Alkohol gut tut. Ohne dass dieser besonders, auffällig oder schwerfällig gewesen war, ist mir nach einem Schluck. Als ich in der Erwartung eines kleinen Flens die Kühlschranktür öffne, mache ich im Obstfach eine Flasche Weißwein ausfindig. In ihr verbirgt sich ein letzter Rest vom Wochenende, der mir jetzt wirklich gelegen kommt. Ach so, Obstfach deshalb, weil die Flasche für die Kühlschranktür zu groß ist.

Mann o Mann, wenn ich die Zeilen lese, hört sich das nach einem ordentlichen Konsum an und ihr könnt jetzt von mir denken, was ihr wollt, aber dem ist nicht so. Gar nicht, ach was. Nun sitze ich an meinem Lieblingsplatz auf dem Küchenbalkon. Ein laues Abendlüftchen weht und es ist warm vom Tag. Die letzten Sonnenstrahlen streicheln mich und ich überlege, wie ich vom Wein den Weg zum Thema lenken kann, über das ich eigentlich sprechen wollte.

Dann eben in medias res. Die Hagebutten reifen heran. Die Wildrosen bilden ihre Früchte aus und ihre Färbung reicht über das ganze Reifespektrum von grün bis dunkelrot. Hagebutten wohnt die Eigenschaft inne, mich allein durch ihren Anblick augenblicklich in meine Kindheit zurück zu katapultieren. Wahrscheinlich mag ich sie deshalb gern, fallen sie mir deswegen auf.

In meiner norddeutschen Heimat gab es sie überall: Wildrosensträucher. Stachelige Sträucher mit hellgrünem Laub. Sie säumten meinen täglichen Weg zur Schule. Im Frühsommer waren sie wunderschön anzusehen. Über und über übersät mit kleinen, ungefüllten, hellrosafarbigen Blüten. Im Herbst bildeten ihre roten Hagebutten einen auffälligen Kontrast zum Laub. Vorsichtig rissen wir sie von ihren Zweigen. Das war eine pieksige Angelegenheit, kann ich euch versichern. Danach wurde die Ausbeute zerquetscht. Jetzt gaben sie ein hervorragendes Juckpulver ab, das wir uns gegenseitig in die Kragen schmierten.

Teilen:

Weitere Beiträge