#947 etwas, das wächst

Fast vor meiner Haustür, auf dem kleinen Grünstreifen rund um einen Straßenrandbaum, erschafft eine Frau seit einiger Zeit ein Blumenbeet. Manchmal wird sie von einem Mann unterstützt, doch meistens sehe ich nur sie. Sie kniet neben dem Beet und arbeitet sich Stück für Stück voran. Jedes Mal verschwindet ein bisschen Wildwuchs und es kommen neue Pflanzen hinzu. Flache Trittsteine hat sie zwischen den Blumen verlegt, um jeden Winkel des Beets gut erreichen zu können, ohne dabei auf ein Pflänzchen zu treten. Jede Neuanpflanzung zeugt von liebevoller Hingabe. Ich beobachte es bereits eine Weile.

Auf einem kleinen Schild steht die Vermerk: Bitte blühen lassen.

Früher, vor ihrer Aktion, wurden vor allen Dingen Gelbe Säcke achtlos rund um den Baum abgestellt. Oftmals Tage bevor der Müllwagen seine Runde durch unsere Straße drehte. Kein schöner Anblick.
Es ist das alte Spiel: kommt ein Fleckchen adrett, sauber und ordentlich daher, fällt es schwerer, dieses dreckig zu machen. Ist ein Ort dagegen unansehnlich, scheinen die Gedanken vieler Menschen eher zu sein: darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an und lassen ihr Bonbonpapier, den Zigarettenstummel achtlos fallen. Warum sollte ich mich anstrengen und mich rücksichtsvoll verhalten, wenn alle anderen das offensichtlich nicht tun?

Nun, ein gutes Beispiel abzugeben, scheint mir aus der Mode gekommen zu sein. Schade eigentlich, sähe unsere Umwelt auf diese Weise viel netter aus. Es gibt unzählige Beispiele dafür. Schultoiletten, Fußgängerunterführungen, Bahnhofsvorplätze gehören zu diesen neuralgischen Orten. Es sollte uns bewusst sein, dass wir das Äußere selbst in Händen halten.

Vielleicht wäre es möglich, wenn unsere Wegwerfgesellschaft sich überlegte, was der bessere Weg sein könnte. Sorgsam mit dem umzugehen, was wir täglich vor der Nase haben, könnte ein Anfang sein. Außerdem, wäre es nicht viel schöner mehr Blumenbeete zu haben? Ein Dank an die Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Teilen:

Weitere Beiträge