#731 planmäßige Abweichung vom Plan

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er oder sie was erzählen. Oder will es nicht, weil der Menschen froh ist, das Ziel erreicht zu haben. Irgendwann. Vielleicht. Mit Verspätung. Für Geld und Unannehmlichkeiten. Das führt zu Verdruss, zu Ärger bei den Reisenden und bei denjenigen, die drum herum organisiert haben. Hätte, hätte – was soll es. Wir fliegen zum Mond, surfen durchs Netzt, machen uns die Welt untertan. Doch bei der Überwindung einer Entfernung von tausend Kilometern bricht alles zusammen.

Bahnfahren ist nichts für schwache Nerven. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und bekomme es aktuell mit. Ich warte. Ich warte auf meine Lieblingsmenschen und es passiert – nichts. Stillstand, weil unser Schienennetz ab Itzedingsbums nicht mehr elektrifiziert ist. Die Diesellok gen Süden also gegen eine Elektrische ausgetauscht werden muss. Diese befindet sich irgendwo, nur nicht in Itzedingsbums. Über eine Stunde Wartezeit. Die Planung ist hin. Kein Zug, kein Anschluss wird mehr erreicht. Da frage ich mich, warum wird über ein Verbrenneraus diskutiert, wenn es sowieso keine funktionierende Alternative gibt? Sehr bedauerlich.

Und sehr schade. Und klar, im Stau stehen ist ebenfalls bescheuert. Schließlich ist auf der Autobahn genauso viel los. Hier wird gebaut und saniert. Pylonen überall, soweit das Auge reicht. Bauarbeiter? Fehlanzeige. Weit und breit nichts zu sehen. Was haben wir bloß in den letzten zwanzig Jahren gemacht? Nichts? Wirklich? Wie viele Nieten in Nadelstreifen haben da gepennt?

Vielleicht würde es uns gut tun, die Nase weniger hoch, unser Können realistischer einzuschätzen. Auf allen Gebieten. Ich scheue mich davor zu sagen: früher war alles besser, denn das ist Quatsch. Allerdings war ich bei der Rückkehr von meinen Interrail-Touren froh, mich daheim auf einen funktionierenden Fahrplan verlassen zu können. Das Abenteuer einer jeden Reise beginnt heutzutage nicht mehr jenseits der Landesgrenze, sondern bereits am Gartentor.

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