Lasse ich meinen Blick durch den Garten schweifen, sieht er überall ein Knospen und Austreiben. Zartes Hellgrün hier, leuchtendes Gelb oder unschuldiges Weiß dort. Es ist wieder soweit, der Frühling ist da. Eine Wohltat für die Augen, verschönert er doch alles.
Es ist wieder soweit. Unser Amselweibchen betreibt Nestneubau. Heute früh beobachte ich, wie es geschäftig mit Schnäbeln voller Moos in die Efeuhecke fliegt. Das ruft die großen Tiere auf den Plan. Die Räuber, die aufs Plündern aus sind. Die Elstern beispielsweise fliegen tief. Das passiert jedes Jahr zu dieser Zeit. Sie tun unschuldig, geben vor mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Sammeln ihrerseits Utensilien zum Nestbau und beobachten derweil, dessen bin ich mir sicher, die Umgebung ausgiebig. Ganz schön clever. Der ewige Kreislauf des Lebens. Ich hoffe sehr, dass es in diesem Jahr gut geht.
Damit ich neben dem ganzen jungen Grün nicht völlig abstinke, nehme ich mir eine kleine Auszeit und richte mich zum Frühjahrsputz. Dabei liege ich auf der warmen Liege, höre entspannt den sphärischen Musikklängen zu, zwei dicke Decken über mir. Ich genieße die angenehme Behandlung meines Gesichts in vollen Zügen. Es ist wieder soweit und in diesem Fall nur gut, dass zwischen den Behandlungen kein Jahr Wartezeit vergehen muss.
Es ist wieder soweit. Eine ganz andere Schlagzahl legt derzeit die andere Hälfte meines Haushalts an den Tag. Selbst wenn es mich nicht anstrengt, sich mein Mitgefühl in Grenzen hält, bemerke ich seine Aussage: „ich habe verdrängt, wie anstrengend das ist“. Er meint damit seine Vorbereitung auf das Langdistanzrennen im Juni. Sein Auftrag an mich lautet, den Satz zu konservieren, was ich gerne tue und weiterhin versuche, ihm den Rücken frei zu halten. Dabei hilf nur: Schönreden. Auf diese Weise sind wir alle mit Schönheit beschäftigt. Aber es ist schließlich auch Frühling.

