„Rauf, rauf, rauf, immer nur die Treppe rauf“, ist familienintern ein geflügelter Satz, den wir einem Spielfilm geklaut haben. Daran muss ich denken, als die erste „mur“ vor mir liegt. Nun, ihr denkt es euch bestimmt schon und habt natürlich vollkommen recht. „Mur“, folglich „Wand“ ist völlig übertrieben. Handelt es sich doch um den winzigen Anstieg in einer nahegelegenen Gemeinde. Großzügig geschätzt beträgt sein Ausmaß vielleicht vierhundert Meter Länge und maximal achtzig Meter Höhe. Also fast nix.
Von null auf achtzig, ja, das ist nicht überwältigend viel, aber immerhin. Aber ein Anfang nach vielen Monaten Sofa und laissez faire. Mein Hinterteil will wieder an den Sattel, meine Füße an die Klickies und mein Body in die vorwärts-abwärts Haltung gewöhnt, trainiert und gepresst werden.
Als ich die Höhe erreiche, sehen die dunklen Wolken bereits recht nah aus. Links von mir scheint die Sonne und leuchtet die grauen Regenschleier an, die mich gleich erwarten. Ist mir egal, dann werde ich eben nass. Viel Strecke ist es nicht mehr und ein kleines Erinnerungsfoto mit Rad unter der Kirschblüte muss schon sein. Aktuell fahre ich im Touristenmodus.
Erst radle ich am Baum vorbei, überlege kurz, drehe um. Schließlich wird die Blüte schneller vorbei als ich hier wieder vorbei komme. Passt mein Rad farblich nicht perfekt zum Blütenmeer. Mädchenstyle at its best, würde ich sagen.
Kurz danach erwischt mich das schlechte Wetter. Ich bin froh, dass ich mich warm genug eingepackt habe, das zahlt sich jetzt aus. Obwohl, so ganz rund läuft das: „alles notwendige mitnehmen für die Radausfahrt“ noch nicht. Das will ebenfalls trainiert werden, denn ich habe eine wasserdichte Hülle für mein Handy vergessen. Hm, der geeignetste Platz scheint mir vorne am Bauch zwischen Unterhemd und Radhose zu sein. Erfreulicherweise klappt das gut. Geht doch, Berge ich komme.

