Wir kennen das alle: manchmal hängen wir am Haken und wissen gar nicht genau, warum. Manchmal hängen wir am Haken eines Ortes, einer Gegend. Was ist es, dass uns gefangen nimmt? Gefangen im positiven Sinn, versteht sich.
Wahrscheinlich sind es Erinnerungen, Gefühle, halt irgendetwas, das wir mit Emotionen verbinden. Fällt euch noch ein anderer Grund ein? Ja, doch. Sinneseindrücke, Stimmungen. Die spielen ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle, um am Haken zu hängen. Oder eine Kombination aus allem. Das Gegenteil funktioniert auch. Es gibt Plätze auf dieser Welt, da muss ich kein weiteres Mal hin. Aber die spielen heute keine Rolle.
Wie von Zauberhand versetzt mich nun dieser besondere Ort in eine Stimmung, die ich jederzeit wieder abrufen kann. Ich befinde mich zurück in meiner Heimatstadt und bin sofort drin. Drin in meiner Jugendzeit. Zurückkatapultiert. Das ist wie eine Verjüngungskur nur leider ohne äußere Sichtbarkeit. Vielleicht ist das aber ein Phänomen, weil mein Lebensmittelpunkt inzwischen ein ganz anderer ist. Wäre ich dort wohnen geblieben, hätte ich diese Verbundenheit womöglich auf eine andere Art und Weise.
Darüber hinaus gibt es Orte, die habe ich bereist. Einmal, mehrfach und manche davon sogar sehr häufig. Dennoch haben einige von ihnen einen größeren Eindruck hinterlassen als andere. London ist so ein Sehnsuchtsort oder Frankreich oder Sardinien. London ist in allen Ecken cool, aufregend, voller Ideen und unkonventionell. Sardinien hat in Europa die schönsten Strände. Das Meer ist unbeschreiblich. Dort zu baden ist reine Wonne. Und Frankreich?
Frankreich ist fast ein wenig wie „Heimatstadt“ allerdings grundsätzlich im Ferienmodus. Stressfrei. Das ist eine Mischung, die mich seit über vierzig Jahren am Haken hat. Dabei bestimmen Rituale meinen Besuch dort. Dieser Käse, jener Wein, Artischocken mit Knoblauchsoße, das Licht im Frühling, Gänsegeier in den Pyrenäen, der Strand von Contis Plage. Mehr Haken geht fast nicht.

