#856 fünf Sekunden

Draußen ist es wärmer, als gedacht. Oder besser: draußen ist es wärmer als in unserer Wohnung, weshalb ich meinen Arbeitsplatz für dix:Minutes kurzerhand auf den Balkon verlege. Morgen wird es wahrscheinlich anders herum sein. Doch morgen ist morgen und heute ist heute.

Apropos heute: heute morgen stand als allererste Tätigkeit schwimmen auf dem Programm. Also ging es für mich früher als sonst an einem Werktag aus den Federn, denn mein Job wartete mit diversen Terminen am Vormittag auf mich. Egal. Verkehrtherum-Tag: erst das Vergnügen und dann die Arbeit.

Das Wasser entpuppte sich als äußerst angenehm, die Besucheranzahl war überschaubar. Kein Gedränge auf der Bahn verspricht stets ein gutes Training. Seit diesem Jahr habe ich aufgerüstet. Ich habe einen Pullbuoy, Paddles und Flossen dabei und benutze sie regelmäßig. Anstatt nur stupide Strecke zu machen, verfolge ich fast so etwas wie einen kleinen, von mir eigens entwickelten, Trainingsablauf. Das ist deutlich unterhaltsamer und scheint sogar erfolgreich zu sein.

Mit Hilfe der anderen Hälfte meines Haushalts, er war mein Pacemaker, war ich heute fünf Sekunden schneller als bisher. Erstmalig fiel die zwei-Minuten-Marke auf einhundert Metern. Das spornt an. Jetzt braucht es nur noch Ausdauer und Konstanz. Nur noch.

Eine ganz andere Herausforderung hatte der Bademeister zu bestreiten. Als ich die Tür zur Damendusche öffnen wollte, ging diese nicht auf. Nanu? Was war hier los, fragte ich mich, als auch schon der Bademeister auf mich zukam. Er erklärte mir, dass das schlüssellose System nicht funktionierte, wie es sollte. Der Chip verweigerte bei den Damenduschen seinen Dienst, weshalb Kreativität am Morgen angesagt war. Er musste die Ströme der Warmduscher auf die Herr- und Behindertendusche umlenken, gleichzeitig das Becken im Auge behalten und die eintreffenden Handwerker instruieren. Dabei blieb er freundlich und gelassen sowie alle Badegäste ebenfalls. Schwimmen macht eben einfach gute Laune.

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