#292 zu neuen Ufern

Ich bin in Münchingen. Es ist verrückt viele Jahre her, dass ich das letzte Mal hier war. Hier, richtig in der Stadt meine ich. Nicht nur zum Umsteigen im Bahnhof. Ich verlasse das Bahnhofsgelände und schaue scheu und ratlos auf meine elektronische Karte. Darin bin ich nicht gut. Ich brauche immer eine Weile, bis ich […]
#291 Railway

Die Wolken am Himmel hängen tief. Ich stehe am Bahnsteig und warte auf den Zug. Der leichte Regen taucht den gegenüberliegenden Weinberg in einheitliches Grau. Das Laub der Weinreben lässt sich durch den Schleier kaum als bunt erahnen. Im Gleisbett vor mir kämpfen ein paar Blümchen ums Überleben und setzen mit ihren gelben Blüten dem […]
#290 Login

Morgen mache ich einen kleinen Ausflug und heute buche ich mir dafür ein Bahnticket. Geht alles schnell und problemlos über die DB-App. Ihr kennt das. Ohne Apps funktioniert nichts mehr. Online bezahlen mit hinterlegter Bankkarte, Kreditkarte, dem Wallet einer großen Onlineplattform. Alles das sind unsere liebgewonnenen alltäglichen Begleiter. Das Handy vor das Kartenlesegerät halten, kein […]
#289 heiße Tasse

Es ist noch gar nicht kalt draußen. Im Gegenteil. Der Herbst ist sehr milde gestimmt und ich freue mich darüber noch nicht dick vermummt herumlaufen zu müssen. Trotzdem und ich kann gar nicht genau sagen warum, ist es mir heute nach einer heißen Tasse Kräutertee. Dazu hole ich die größte unserer Bürotassen aus dem Schrank, […]
#288 Postkarte

Kennt ihr den? Kennt ihr den Ständer in Kneipen oder Cafés, der vollgestopft mit Prospekten oder eben Postkarten sich am Eingang oder auf dem Weg zum Klo befindet? Ich lasse es mir nicht entgehen, dort zu stöbern. Ich habe eine ganze Schublade voll mit diesen Karten. Sie sind von überall her. Selbstentdeckt und eingesteckt oder […]
#287 Refraiming

Der Baum auf unserem Nachbargrundstück trägt wunderschöne Zieräpfel. Klein und rot hängen sie am Geäst und leuchten gegen das trübe Grau des Tages an. Jetzt ist es wieder soweit. Die Nächte gewinnen langsam die Oberhand und ehe ich es mich versehe, weicht der Tag der Dämmerung, der Dunkelheit. Stille kehrt ein. Die Zeitumstellung steht vor […]
#285 Rettungsring

Ich jogge eine meiner gewohnten Runden vor meiner Haustür. Sie führt durch unser Wohngebiet, am mehreren Bäckereien, unserem Lieblingsrestaurant, dem italienischen Supermarkt (#180 Zuckerwatte), einer Bushaltestelle, einem Discounter, einem Gymnasium und durch einen kleinen Parkt. Am Landratsamt geht es über eine alte Holzbrücke zum Fluss hinunter. Der Weg schlängelt sich parallel zum Ufer. Ab und […]
#284 Schweinehund

Je nach Tagesform und Verfassung mag ich den Spruch: „Nur die Harten kommen in den Garten“ oder finde ihn total doof. Bewegung hilft. Hilft mir entweder dabei meine Gedanken zu fokussieren oder meinen Kopf frei zu bekommen, indem ich an nichts denke. Außer, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Meine Taktik heute ist einfach. […]
#283 Feder

Beim Streifzug durch meinen Garten fällt mir die Feder ins Auge. Weich und flauschig liegt sie im hohen Gras. Ich zücke mein Handy und mache gleich einen Schnappschuss von ihr. Mir wird bewusst, wie viele unterschiedlichen Gebrauchsformen und Redensarten sich rund um diese kleine Hornschuppe ranken. Leicht wie eine Feder, kann ich mich fühlen, schwerelos […]
#282 der rheinische Konjunktiv

„Is et nich schön?“ Mit diesen paar Wörtern oute ich mich gerne als Liebhaberin, ja glühende Anhängerin des rheinischen Dialekts. Rheinische Redewendungen sind großartig. Einige von euch werden es sicherlich kennen, dieses „et bliev nix wie et wor“ – ein Satz aus em kölsche Jrundjesetz. Meine Zuneigung ist alt. Sie besteht seit meiner Kindheit. Seitdem […]