#326 Waffeln

Bei dem Versuch mich zu konzentrieren grätscht mein Mitbewohner dazwischen. Mit Stirnband, Trinkflasche, Tablet, Kopfhörer, Handtuch ausgestattet und in Radklamotten sitzt er im Keller. Sein Rennrad steht in der Waschküche aufgebockt. Dorthin habe ich ihn zum trainieren verbannt. Nur kein Mitleid, sage ich euch, ihm geht es gut in seinem Reich. Außerhalb meines Kontrollradius kann […]
#325 eine Stunde

Eine Stunde freie Zeit. Was für ein Glück. Zwischen Arbeitsende und Yoga habe ich tatsächlich eine Stunde nichts zu tun. Keine Aufgaben, kein Aufräumen. Alles ist erledigt. Eine Stunde, in der ich mich nicht sinnlos durch den Feierabendverkehr quälen muss. In solchen Augenblicken finde ich Homeoffice klasse. Und niemand ist da, der diese himmlische Ruhe […]
#324 inside out

Die Dunkelheit bringt es ans Licht: inside out. Dass, was sonst unsichtbar schlummert, wird durch die Umkehr von Helligkeit und Dunkelheit sichtbar. Plötzlich bekomme ich völlig neue Einblicke. An helleren Tagen kann ich das Innere der Gebäude nur erahnen. Die Spiegelung der Fensterfront lässt keine Einblicke zu. Jetzt, in der dunklen Jahreszeit, kehrt sich das […]
#323 fehl am Platz

„Was machst du denn da?“ höre ich eine verschlafene Stimme hinter mir. Ich drehe mich um, versuche schuldbewusst drein zu blicken und gestehe, dass ich schreiben musste. Dass mir mein Text nicht gefallen hat. Dass ich nun aber fertig bin. „Ich hoffe, ich habe dich nicht geweckt“, sage ich zu ihm. Ich schaue auf die […]
#322 spät dran

Ausnahmsweise arbeite ich aufrecht. Das Tablet liegt vor mir. Mit gegrätschten Beinen, damit die Höhe passt, stehe ich an der Kücheninsel und tippe. Ich bin spät dran. Gerade habe ich die Kühlschranktür auf und gleich wieder zu gemacht. Ich habe ein leichtes Hüngerchen, möchte jedoch nicht planlos den Kühlschrank vor dem Abendessen plündern. Also diszipliniere […]
#321 die Lesung

Mir fehlt der Sport. Im Moment muss ich priorisieren, was meine Freizeitgestaltung anbelangt. Deshalb habe ich mich aktiv dafür entschieden, hier zu streichen. Das macht die Sache nicht besser, nur etwas erträglicher. Das schlechte Gewissen bahnt sich seinen Weg in mein Bewusstsein. Ich merke meine Unruhe und meine Unzufriedenheit. Auf kneifende Hosen und keuchenden Atem […]
#320 Straßenflohmarkt

Flashback. „Bille und Zottel“ liegen im Karton auf der Straße. Das Cover erkenne ich sofort. Ich halte abrupt an und schaue, ob mir der Titel was sagt. Natürlich tut er das. Ich habe alle aus der Serie vom Schneider Verlag. Ja, ihr habt richtig gelesen. Alle. Und alle mir wichtigen Bücher aus meiner Kindheit gebe […]
#315 Gewissheit

Ich denke ab und zu an einen meiner ersten Texte zurück. Intern hat er bei mir die Überschrift „der blaue Jesus“ aber seine Überschrift lautet in Wirklichkeit „das Orgelkonzert“ (#20 das Orgelkonzert). Vergangenes Wochenende kam es dazu, dass wir uns im Freundeskreis gemeinsam an die Erfahrung auf enger Kirchenbank erinnert haben. Das ein oder andere […]
#314 verkaufsoffener Sonntag

Heute ist verkaufsoffener Sonntag und ich gehe nicht hin. Überhaupt bin ich heute weder Fisch noch Fleisch und kann wenig mit mir anfangen. Solche Tage gibt es. Ich kenne das und ihr vielleicht auch. Also überlege ich mir, was mein Plan sein könnte und setze mich nach dem Frühstück an den Schreibtisch. Textarbeit ist angesagt […]
#311 Sonnengruß

Ich lasse mich von der Erde tragen und schaue gen Decke. Dabei erhasche ich im Augenwinkel den geschwungenen Schriftzug Anno 1795, der auf dem obersten Rand des alten Bauernschranks geschrieben steht. Er ist mit Blumen verziert. Ich liege davor auf meiner Yogamatte und atme. Der Raum ist gemütlich beleuchtet. Ein schwacher Duft nach Räucherstäbchen liegt […]