#163 Mängelexemplar

Im überschäumenden Eifer, ein Kribbeln unter der Haut, das fast körperlich ist, lasse ich alles links und rechts liegen, weil ich schreiben muss. Es ist, als wollen alle Ideen, Satzfragmente, Bruchstücke von Texten gleichzeitig herausbrechen aus mir. Ein Drang, der zweifelsohne kanalisiert gehört und so verschiebe ich den Telefonanruf auf später. Ich brauche erst meine […]

#162 Officium

Mich gibt es wie Sand am Meer. Noch. Noch, möchte ich meinen, denn langsam wird mir bange. Meine Brüder und Schwestern werden stetig weniger. Ob aus Mangel an Pflege oder hundsgemeinem Überdruss, ist egal. Beides führt zu unserer Vernichtung. Und dass, obwohl es mich in allen möglichen Daseinsformen gibt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. […]

#161 quo vadis

In völliger Orientierungslosigkeit und der bangen Frage: wohin? kann ein Kompass eine praktische Hilfe sein. Vielleicht sogar essentiell. Diesen kleinen Kompass habe ich vor ein paar Jahren von einer mir nahestehenden Person mit den Worten: „damit du immer weißt, wo du mich findest“, zugesandt bekommen. Das hat mir gefallen, mir geradezu mein Herz gewärmt und […]

#160 Fingerspitzengefühl

Jedes hat seine Zeit, denke ich, wenn ich im Garten die Rosen betrachte, die unter dem Regen der letzten Woche deutlich gelitten haben. Normalerweise blühen sie jetzt wie verrückt. Die Kletterrosen, Ramblerrosen, Strauchrosen, Beet Rosen, Bodendeckerrosen, Hochstammrosen, Wildrosen in den schönsten Farben und Blütenkonstellationen. Große, betörend duftende oder kleine ungefüllte von Bienen umschwärmte Blüten vereint […]

#159 an der Quelle

An der Quelle schmeckt das Wasser erstaunlicher Weise noch besser als sonst, stelle ich fest, während ich im Schatten meine Flasche erneut fülle. Ich bin, zwischen zwei Regenschauern, unterwegs. Unterwegs mit meinem Rennrad und trainiere weiterhin fleißig für meine Herausforderung, die Ende des Monats auf mich wartet. Die Topografie meiner Umgebung bietet sich, wenn ich […]

#158 von oben

Von oben betrachtet verschwinden zusehends die Konturen. Es kommt mir vor, als ob eine Transformation der Gegenstände und Menschen vonstattengeht. Sie transformieren sich gewissermaßen in eine andere Dimension. Aus dreidimensional wird plötzlich zweidimensional. Aus lang und schlank wir klein und rund. Aus klein und dick wird klein und breit. Aus filigran geschwungen wird eine Linie […]

#157 reinarbeiten

Zähne zusammenbeißen sagt der Volksmund. Zähne zusammenbeißen, wenn etwas anstrengend ist. Nichts sagen, keinen Laut von sich geben und dann noch dazu Augen zu und durch. Alles bekannte Redensarten, die ihr bestimmt schon das ein oder andere Mal gehört habt. In diesem Kontext verwendet eine mir nahestehende Person stets den Begriff: „reinarbeiten“. Mir gefällt dieser […]

#156 angekommen

Ich bin noch ein kleines Kind und so ungefähr zwischen Kindergarten-Alter-Ende und Grundschulkind-Beginn. Ich sitze in einem zitronengelben Renault 4 mit Revolverschalung und Schiebefenstern auf der Rückbank. Wir befinden uns auf der Rückfahrt von meinen Großeltern und fahren den steilen Berg herunter, am Friedhof mit den hohen Bäumen vorbei. Von dieser Stelle aus habe ich […]

#155 Sommerkleid

Vor einiger Zeit hat es sich ergeben, dass ich das Hochzeitsfoto meiner Großeltern abfotografiert habe. Es ist schon lange Vergangenheit, da hing das Bild, kunstvoll eingerahmt, in ihrem Schlafzimmer. Ob als Mahnung oder Erinnerung – ich weiß es nicht. Jedenfalls stehen Sie offensichtlich in ihrem besten Staat vor der Kamera und ich erinnere mich, wie […]

#154 Post

Es ist die eine Sache, wenn ich auf Post warte oder die andere, wenn ich das nicht tue. Ob Gewohnheit oder Neugier, so gehört das Nachschauen nach ihr doch zum Alltag dazu. Meistens steckt Werbung drin, die mich erreicht, obwohl ich nicht darum gebeten habe. Oder Post vom Amt (ebenfalls ob ich will oder nicht), […]