Meine neue Brille ist fertig. Morgen hole ich sie beim Optiker ab und bin ziemlich gespannt. In den vergangenen zwei Wochen habe ich ein paarmal nach ihr gegoogelt. Dabei hoffte ich inständig, dass mir meine Entscheidung weiterhin gefällt.
Das tut sie. Ich freue mich auf das neue Design und meine neue Optik. Einerseits. Andererseits spüre ich eine kleine Wehmut hinsichtlich meiner jetzigen Brille in mir aufsteigen. Komisch, oder? Oder gar nicht komisch. Schließlich habe ich mich an sie gewöhnt. Meine Brille war überall dabei, alle kennen mich mit ihr. Ich habe sie gerne getragen. Ups, ich spreche in der Vergangenheit von ihr.
Warum ich mir überhaupt eine neue zugelegt habe, fragt ihr vielleicht. Tja, weil ich eine Veränderung brauchte. Überhaupt, in diesen Dingen bin ich ambivalent. Selbst wenn ich etwas unbedingt haben möchte, bin ich mir, wenn es soweit ist, oft nicht mehr sicher, ob ich das wirklich will oder brauche und finde mich selbst äußerst wunderlich. Immerhin habe ich bestimmt seit eineinhalb Jahren den Wunsch, mir eine neue Brille zuzulegen.
Grundsätzlich liegt es vielleicht daran, dass eine Veränderung ansteht. Veränderungen sind bekanntermaßen mit einer Portion Skepsis garniert. Der Aspekt, dass dieser Veränderung eine Entscheidung zugrunde lag, ist nicht zu unterschätzen. Eine bewusste sogar. Also bestünde die Möglichkeit, dass ich eine falsche getroffen haben könnte. Diese Gedanken schwirren mir durch den Kopf und sind völlig unnütz. Ich weiß, dass ich meinem Bauchgefühl vertrauen kann.
Außerdem hat die andere Hälfte meines Haushalts Begehrlichkeiten geäußert. Bisher hat diese nur eine Lesebrillen, keine Gleitsichtbrille. Von den Dioptrie passt es fast. Klar, das ist natürlich keine richtige, sondern nur eine Notfalllösung. Mal schauen, ob ich ihn überreden kann, meine Brille nicht nur im Restaurant beim Lesen der Karte aufzusetzen, sondern sie auch bei den kleinen Dingen der Hausarbeit zu tragen.

