Als „Fundstück der Woche“ taugt heute eine Rolle Toilettenpapier. Wie oft habe ich eine in Herzform verdellte aus der Tüte geholt? Nicht häufig, deshalb fällt sie mir direkt ins Auge. Ich habe nicht viel Zeit. Das Schwimmtraining steht an, ich muss mich sputen. Trotzdem mache ich den Schnappschuss.
Ein schneller, kurzer Blick aufs Display genügt und ich assoziiere damit sofort die Herzausschnitte an den Klotüren, die romantisch daher kommen und nichts weiter als einen Abort auf freier Wiese (meistens in den Bergen) in sämtlichen Schmonzetten in Film oder Fernsehen geben. Irgendwann kommt der romantische Dialog oder die Bildführung auf das „Herzl“ zu sprechen. Beim Bergwandern bin ich dem „Herzl“ ebenfalls oft begegnet. Draufgeklebt, eingebrannt oder gemalt ziert es die Türen der Örtlichkeiten.
Warum ist das so? Warum wird die Toilette mit einem Herz versehen und somit romantisiert? Darüber habe ich bisher nie nachgedacht. Es kommt mir irgendwie seltsam vor. Beides hat scheinbar nicht viel gemeinsam, oder liege ich falsch?
Wenn ich weiter in meiner Erinnerung grabe, kommt in diesem Zusammenhang ein Erlebnis zutage, das viel Eindruck auf mich machte. Es ist wirklich eine lange Zeit her. Wir, der Westbesuch waren auf eine Hochzeit bei unserer ostdeutschen Verwandtschaft eingeladen. Die Feier fand in einer Burg oder etwas ähnlichem statt. Ich war ziemlich klein aber immerhin alt genug, um selbstständig auf die Toilette zu gehen.
Ich frug nach dem Weg und wurde fündig. Als ich die Tür der Damentoilette aufstieß, staunte ich nicht schlecht, sah ich mich einem Plumpsklo gegenüber: runde Holzbrille über einem stinkendem Abgrund. Ich erinnere mich, dass ich zu meiner Mutter zurück lief. Sowas hatte ich noch nie gesehen.
Das Plumpsklo, es hat immer noch Bestand. Nur heißt es jetzt anders, ist blau, mobil, aus Plastik und mit viel Chemie versehen. Der Rest ist gleich.

