Endlich wird das Wetter wieder wärmer. Gestern hatte ich beim Stadtbummel mit meinem Kind sogar meine Steppjacke an. Die Sandalen auf dem Präsentiertisch der Boutique, die zum halben Preis angeboten wurden, versprühten angesichts der frostigen Temperaturen wenig Kauflaune. Der Regen und das vorüberziehende Grau der Wolken taten ihr Übriges. Keine Schlangen vor den Eiscafés, kein Aperol auf dem Marktplatz mit Sonnenbrille auf der Nase und dem Sommerfeeling, das ich besonders gern habe. Wie schafft es doch allein die Sonne, die Gemüter zu erheitern, das ist schon eine interessante Sache, wie ich meine.
Da das gestern alles nicht möglich war, ich es nicht ändern konnte, freue ich mich heute sehr über den Sonnenschein. Der Garten lockt und ruft gleichermaßen. Ich drehe meine Runde, schaue ins Amselnest. Die Amselfrau (#830 zweiter Versuch) sitzt noch nicht zum Brüten drauf. Dafür hat das Amselmännchen ordentlich Radau veranstaltet, als eine Elster im Tiefflug über unseren Garten streicht. Das Leben ist fragil, an allen Ecken und Enden, das merke ich immer wieder.
Meine Rosen haben ordentlich Knospen angesetzt. Ein paar warme Tage und alles wird blühen. Eine leichte Vorfreude steigt in mir hoch und ich schaue überall vorbei, schichte einen Teil des Heckenschnitts von meinem Grüngutsack in die Biotonne um, das was geht halt und mache schließlich ein paar Gießkannen mit Dünger für meine Pflanzen bereit. Nicht zu viel, alles in Maßen aber ein wenig darf es schon sein, alle Jubeljahre einmal.
Auf dem Balkon beginnt eine Nelkenart, jedenfalls vermute ich, dass es eine ist anhand der Blüte, ihre Knospen zu öffnen. Ich kann mich nicht erinnern, sie eingepflanzt zu haben. Egal, sieht schön aus. Ich mache ein Bild von der Blüte und erwische ein Grashüpfer-Kind, das es sich dort bequem gemacht hat. Komisch, was das Auge erst dann sieht, wenn wir genau hinschauen.
