#851 Wohlstand

An kaum einer anderen Stelle können wir den Grad unseres Wohlstands ablesen, als am Müll. Das mag flapsig formuliert sein, trifft aber zu, denn die anderen „Ausdünstungen“ sind weniger plakativ sichtbar. Damit meine ich die Emissionen, die wir, dem Wohlstand sei Dank, unsichtbar in die Atmosphäre schleudern. Nach dem Motto: was wir nicht sehen können, ist auch nicht da. Diese Tatsache erschwert den Bezug zwischen Ursache und Wirkung.

Als ich an den vielen gelben Säcken vorbei komme, wird mir das schlagartig bewusst. Wohin damit, mit all den Plastikverpackungen, die zugegeben genauso praktisch wie ökologisch fragwürdig sind? Ich nutze sie, wir nutzen sie alle und ich möchte keinesfalls den Zeigefinger erheben. Höchstens gegen mich selbst. Schließlich unternahm ich bereits mehrere Versuche, um Müll zu vermeiden. Das hielt ich leider nicht lange durch. Geblieben sind Einkaufsbeutel, um Tüten zu vermeiden, die es nicht mehr gibt. Ich probiere regional uns saisonal einzukaufen. Selbst das ist bisweilen eine Herausforderung.

Eine Herausforderung hinsichtlich meiner Bequemlichkeit. Die Verlockung ist ähnlich, wie die bei der Schlange und dem Apfel. Es passiert genau dasselbe: wir erliegen ihr und verbannen uns auf diese Weise aus dem Paradies. Der Planet wehrt sich, es wird heißer und heißer und dann?

Dann verschwindet der Wohlstand? Und mit ihm unser Müll? Weil aus Mangel an Ressourcen die Dinge einen anderen Wert bekommen und wir vielleicht auch eher die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellen? „Brauche ich das wirklich?“ Die Werbung bläut es mir ein, die Gesellschaft ebenfalls. Aber stimmt es wirklich? Was würde passieren, wenn sich jede und jeder von uns diese Frage nur einmal pro Woche stellen und nur einmal pro Woche bewusst auf etwas verzichten würde? Würden wir dadurch eine spürbaren Effekt erkennen? Vielleicht nicht sofort. Je mehr mitmachten und je länger es dauerte, desto sichtbarer wäre der Effekt. Richtig?

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