#853 Pause

Ja, das brauche ich. Ich fühle es in mir, obwohl mein Tag noch gar nicht richtig begonnen hat. Sprich, ich noch nicht die obligatorische erste Tasse Kaffee des Tages hatte. Dazu muss ich mich gedulden, bis die Cafeteria öffnet. Dafür habe ich Zeit, den Schriftzug im Eingangsbereich wahrzunehmen: J’ai besoin d’un doux repos loin de ces souffrances sans fin. Was frei übersetzt so viel bedeutet wie: Ich benötige eine kleine Pause von den nie endenden Leiden.

Nun, Leiden ist ein schwerwiegendes Wort und dessen Grad liegt nicht zuletzt im Auge des Betrachters oder demjenigen oder derjenigen, der/die es empfindet. Das kann ganz unterschiedlich sein. Es erinnert mich an meinen Text von vor ein paar Tagen über das Kämpfen (#850 Meilenstein 17). Dort kämpfte ich verzweifelt gegen Formatierungen, die nich so wollten wie ich.

Manchmal ringe ich mit völlig banalen Themen. Wie dem Gewicht, den Fältchen, der Frisur, den Klamotten, dem Haushalt, dem Einkauf und der Frage: was koche ich morgen, den doofen Menschen um mich herum (die meisten sind nett!), der Steuererklärung, dem VVS-Portal inklusive den Fahrzeiten der Öffis, den gestiegenen Preisen und nicht zuletzt meinem Schweinehund.

Gerade fühle ich mich vom Wetter „bedroht“, selbst wenn es nur regnet, was streng genommen nicht schlimm ist. Dennoch. Vorhin habe ich mich sogar dabei ertappt, dass ich: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ vor mich hin gesummtsungen habe.

Ich denke, ihr habt ähnliche Schlachten zu schlagen, die allesamt Banalitäten gegenüber den wirklichen Schwierigkeiten auf dieser Welt sind. Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, ich würde mich darüber freuen, diese Probleme zu haben. Es könnte schließlich deutlich existenzieller sein. Meine sind nur Wohlstandsprobleme.

Mit dem Umdrehen der Sichtweise gewinne ich viel. Ich habe die schlechte Laune pariert und in die Flucht geschlagen und hole mir dafür jetzt eine Tasse Kaffee.

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