Triathleten sind Frühaufsteher, jedenfalls am Wettkampftag und bei der entsprechenden Distanz. Der Support, also ich, bin es dementsprechend ebenfalls. Um drei Uhr fünfzehn klingelt der Wecker. Das ist keine Zeit, in der ich reden kann und die andere Hälfte meines Haushalts ebenfalls nicht, er ist im Tunnel. Hinter seiner Stirn sehe ich geradezu, wie es arbeitet. ‚Habe ich alles?‘, ‚wo ist mein Pulsgurt?‘, ‚tue ich das Handy in den After-Race-Beutel oder lasse ich es im Hotelzimmer?‘. Wichtige Fragen, die beantwortet werden wollen. Wir sind ein eingespieltes Team, der Ablauf ist klar und er erfahren genug, um die Nervosität im Zaum zu halten.
Nach einem, seinem, schnellen Frühstück mit Milchbrötchen an Nutella und einer zweiten Tasse Kaffee, fahre ich ihn zum Busshuttle, den der Veranstalter zum Schwimmstart am Langener Waldsee eingerichtet hat. Logistisch ist ein Event dieser Größenordnung eine Herausforderung für alle Beteiligten. Vom Wetter will ich gar nicht reden. „Viel Spaß“, wünsche ich ihm zum Abschied, „pass auf dich auf“ und in meinen Gedanken sende ich ein Stoßgebet ans Universum hinterher: ‚bring ihn mir heil zurück‘.
Er wird jetzt in der Wechselzone als erstes sein Rad checken, ob alles passt. Kein Luftdruck von gestern Nachmittag zu heute verloren ging und wird sich seinen Laufweg aus dem Wasser zum Rad noch einmal einprägen.
Ich bin inzwischen wieder im Hotelzimmer. Werfe durchs Fenster einen kurzen Blick aufs Eingangsportal, bei dem reges Treiben los ist. Ein großer Teil der Hotelgäste besteht aus Wettkampfleuten und deren Anhängerschaft. Autos, Taxen kommen, fahren ab. Der Himmel ist bewölkt. Zieht da etwa ein Gewitter auf? Hoffentlich nicht. Alles kann passieren.
Ich werde versuchen, gleich eine Mütze Schlaf zu bekommen. Oder schalte ich den Fernseher für die Liveübertragung ein, um nichts zu verpassen? Richtig schlafen kann ich sowieso erst heute Abend wieder. See you at the finish line.

