Die Abkühlung der letzten Tage verschafft mir die nötige Rahmenbedingung, um im Garten ein wenig „aufzuräumen“. Dem Wildwuchs meiner Schling- und Kletterpflanzen muss unbedingt Einhalt geboten werden, sonst überwuchern sie mehr als mir lieb ist. Sie haben Beschlag vom Feldahorn und der Felsenbirne genommen, winden sich entlang der Äste des Marillenbaums, biegen die dünne Spitze des Vogelbeerbaums herunter. Das geht nicht.
Während meiner kosmetischen Eingriffe, lasse ich das bisherige Gartenjahr Revue passieren. Punkt eins: der Marille geht es prächtig. So viele Früchte hat sie lange nicht getragen und die braunen Spitzen der vergangenen Jahre sind ebenfalls passé. Überhaupt haben sich alle Büsche und Bäume gut entwickelt. Bis auf den Rasen, der weiterhin wenig bis gar nicht vorhanden ist. Dafür breitet sich das Fünffingerkraut aus wie blöd. Trockenheit hin oder her.
Punkt zwei: hat nichts mit der Flora zu tun, denn mit meinen Beobachtungen der Fauna. Es gibt weniger Kriechfliegkleintierinsekten. So wenig Spinnen, Kellerasseln, Ohrenkneifer, Käfer, Schmetterlinge, Bienen und Wespen hatte ich selten. Was ist anders in diesem Jahr, als in den vergangenen?
In Gedanken wie diese versunken, schnipple ich Äste und Stängel in die Biotonne. Im Supermarkt merke ich von alldem nichts. Das Angebot ist konstant, obwohl die Natur jedes Jahr eine neue Überraschung parat hat. Wie weit wir von ihr entfernt leben, zeigt sich genau hier und ich erinnere mich an eine Situation von vor ein paar Monaten.
Ich hatte mein Rad vorm Laden abgestellt und war gerade dabei, meinen Einkaufswagen per Chip aus der Reihe zu lösen, da sprach mich eine Frau aufgeregt an: „Schnell, beeilen Sie sich, es ist fast ausverkauft“. Natürlich war es das nicht, obwohl einige Obst- und Gemüseauslagen leer waren. Komisch, wie empfindlich wir sind, wenn etwas nicht verfügbar ist und wie großzügig, wenn es darum geht, selbst auf etwas zu verzichten.

