Ich scheitere kläglich an dem Versuch, meine Gedanken zu entwirren. Denn selbst in der heilen Welt unseres Feriendomizils lesen wir Zeitung, hören Nachrichten. In mir macht sich ein komisches Bauchgefühl breit, was ich nicht genau einordnen kann. Ein ähnliches Gefühl der Beklommenheit hatte ich das letzte Mal bei der Schleyer-Entführung. Damals war ich sehr, sehr jung, aber ich habe das Szenarium trotzdem als bedrohlich empfunden, sonst würde ich mich nicht dran erinnern können. Und ein weiteres Mal bei 9/11. Das braucht keine Erklärung.
Die Welt ist in Aufruhr. Und ich stelle mir die Frage, die ich nicht zu beantworten weiß: was ist der „normale“ Wahnsinn und was geht darüber hinaus? Ich gewinne den Eindruck, dass der Amplitudenausschlag größer wird. Unmerklich. Noch mehr hege ich den Verdacht, dass wir gerade dabei sind, uns daran zu gewöhnen. Das, was vor einiger Zeit undenkbar war, ist plötzlich Realität und niemand stört sich daran. Wir assimilieren uns.
Vielleicht ist es schlichtweg die Menge an Informationen, die die Menge an Unvorhersehbarkeiten befeuert. Viele Löcher gilt es zu stopfen: in der Politik, im sozialen Zusammenhalt, in der Völkergemeinschaft, im Klimawandel, in der Technik. Missgunst, Neid, Habgier führen mehr und mehr dazu, dass einfache Antworten auf schwere Fragen hoch im Kurs stehen. Menschlichkeit und Nächstenliebe bleiben auf der Strecke.
Still ist es um diejenigen, die über Jahrhunderte hinweg Werte hochhielten. Sind diese Teil des Problems oder können sie zum Teil der Lösung werden, wenn sie es wollten? Bisher höre ich hier nichts, egal von welcher Seite. Alle sind sie still.
In welcher Welt möchte ich leben? Die Leichtigkeit ist verloren gegangen. Die Leichtigkeit auf die Dinge zu schauen, die gut sind. Deshalb wünsche ich mir eine Welt, in der auf „the bright side of life“ geschaut wird. Positive Beispiele bewirken weitere. Hoffnung lässt Hoffnung wachsen.

