#894 Phasen

Wer kennt sie nicht, die Phasen, in denen wir uns um nichts anderes Gedanken machen, als um diese eine Sache. Wisst ihr, was ich meine? Na, zum Beispiel die „ich esse jetzt nur noch gesunde Dinge“-Phase. Sorgfältig wird dafür der Speiseplan auf den Kopf gestellt, ellenlange Listen mit guten, proteinreichen, biodynamischen Lebensmitteln erstellt. Einem Insta-Kanal nach dem anderen gefolgt. Egal ob es gut schmeckt oder nicht, Hauptsache es ist gesund. Hach, da fühlen wir uns doch gleich wie ein anderer Mensch.

Und es gibt sie zuhauf. Die „ich treibe jetzt mehr Sport“-Phase oder „ich nehme jetzt ab“-Phase. Aber es gibt viel mehr davon. Die Sammel- und Tausch-Phasen von Diddle-Mäusen, Paninibildern und K-Pop-Stickern oder der Herstellung von Scoubidou- Bändern. Ich kenne alle, habe sie begleitet.
Inzwischen ist die „Handarbeits“-Phase mit Self-Made-Produkten in aller Munde und es wird überall gestrickt. Sogar ich hatte meine Nadeln zwischenzeitlich in den Fingern. Bislang hat es mich jedoch nicht erwischt. Vielleicht probiere ich mich mal an Socken.

Komischerweise sind es nicht nur die großen Phasen die auftauchen. Ich nehme an mir ganz kleine wahr. Zum Beispiel die „Obstfrühstück-Frühstücks“-Phase und die „lange-Haare oder kurze Haare“-Phasen. Ständig durchlaufen wir uns mit eben solchen Phasen.

Manchmal fällt es uns gar nicht auf. Erst wenn wir etwas nicht mehr tun, was uns vorher als enorm wichtig erschien, registrieren wir, dass dem so war. Aus mancher Phase wird ein Hobby – auch das kann passieren. Oder sehe ich das falsch. Und wiederum andere werden zum Markenzeichen, verschmelzen mit der Persönlichkeit. Da gibt es zum Beispiel jemanden, der oder die klamottentechnisch ihre/seine „schwarze“-Phase hat oder seine/ihre bunte „Anime“-Phase um so verkleidet um die Häuser zu ziehen und diese nicht mehr loswurdem. Wer weiß das schon? Manchmal hinterlassen Phasen Spuren. Diese zu entdecken kann für die ein oder andere Überraschung gut sein.

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