#896 Wanderer kommst du nach Spa

„Wanderer kommst du nach Spa“ titelte einst Heinrich Böll eine seine Kurzgeschichten, die unter der Rubrik: Trümmerliteratur ein eigenes Genre bildete. Ohne Bezug zum Genre kam mir dennoch just diese Überschrift in den Sinn, als unsere kleine Mädels-Reisegruppe am Schränklewirt vorbei kam. Wobei „Spa“ an dieser Stelle das ausschlaggebende Wort für meine Assoziation war.

Wir sind im Schwarzwald. Seit gestern bereits und machten uns heute gemeinsam auf den Weg, zu unserer ersten Wanderung. Ich befand mich zusammen mit meinen beiden Mitstreiterinnen auf den letzten paar Kilometern zurück zum Wanderparkplatz. Dort hatten wir das Fahrzeug gerade noch vertretbar unterbringen können, bevor es vor gut vier Stunden auf unsere Tour ging. Eine Rundtour über Wiesen und Felder, durch einsame Wälder und mit einem kleinen Abstecher zu einem Wasserfall, der in Kaskaden den Berg hinunter floss.

Während der Tour verteilten wir Aufgaben. Jede von uns hatte sich eine Fabe ausgesucht und suchte nun nach entsprechenden Motiven für die spätere Fotocollage. Schauend und quatschend ging es bei tollem Wetter munter bergauf und bergab, über Wurzelwege und moosbedeckte Waldtrampelpfade. Der Rotmilan begleitete unseren Weg und ab und zu schaute ein Windrad zwischen den Baumwipfeln hervor, als der Schränklewirt unseren Weg kreuzte. Wie nett. Eine kleine Bank, zwei Liegestühle mit Kissen und Decke ausgestattet, boten ihre Dienste erschöpften Wander:innen an. Und ein geheimnisvoller Schrank.
Natürlich öffneten wir ihn und fanden einen entzückenden wie liebevoll eingerichteten
Selbstbedienungsladen. Was für eine Überraschung. Diverse Getränke, Kekse und selbstgeimkerter Honig, ein Kästchen für das Geld, ein weiteres Kissen und ein vielsagender Spruch an der Innenseite der Tür. Schnell kramten wir nach Bargeld, bedienten uns bei den Getränken, ließen uns auf der Bank nieder und genossen die Aussicht. Eine kleine Wellnessoase am Waldesrand. Manchmal kann es leicht sein, anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

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