Der Salat aus der Biokiste ist gewaschen und geschleudert, Möhren, Paprika und Gurke sind geschält und kleingeschnippelt. Danach ist das Dressing an der Reihe. Dazu hole ich aus meiner Kramschublade, die jeder und jede in seiner oder ihrer Küche hat, ein altes Marmeladenglas heraus. Darin bereite ich das Dressing zu.
Zwiebeln, Senf, Essig, Salz, Pfeffer und ein wenig Brühe schüttle ich mit Olivenöl auf. Es emulgiert und hat eine schöne Bindung. Ich bin zufrieden. Dann koche ich drei Eier hart, hole den Thunfisch raus und stelle alles parat, denn ich habe noch etwas anderes vor.
Als die andere Hälfte meines Haushalts heim kommt, bin ich abmarschbereit. Ich möchte ins Freibad. Das Wetter ist ideal. Gerade hat es geregnet, der Himmel ist bewölkt und die Temperaturen im Vergleich zu den vergangenen Tagen sehr moderat.
Als wir am Freibad ankommen verspricht die niedrige Anzahl an Fahrrädern und Autos auf dem Parkplatz ein entspanntes Training. Genau das brauche ich heute: freie Bahn. Schwimmen ohne Hindernisse. Tatsächlich, es ist wenig los. Herrlich. Ich stelle meine pinke Sporttasche auf der Bank ab und ziehe mir die Klamotten aus. Shirt und Shorts räume ich in die Tasche, Schuhe kommen unter die Bank. Meinen Schwimmbikini habe ich an. Alles geht fix. Als nächstes stelle ich mich unter die Dusche.
Was kaltes Wasser anbelangt, bin ich ein echter Hasenfuß. Nur im Freibad komischerweise nicht. Da macht es mir nichts aus. Per Kopfsprung tauche ich ins Wasser ein. Sofort ist es still. Leises Plätschern. Es gurgelt und rauscht unregelmäßig um mich herum. Meine Welt ist blau. Ich beginne damit, meine Bahnen zu ziehen. Dreihundert Meter einschwimmen. Dieses Jahr habe ich eine eigene Choreografie. Ich schwimme weniger, dafür trainiere ich mehr Technik und Kraft-Ausdauer. Und hinter her, hinterher geht es mir immer besser als vor dem Schwimmen.

