#919a Severin

Da stand sie, Severin. Oder ist es ein „er“? Dem Namen nach schon, der Funktion nach nicht. Ich entscheide mich für „sie“. Sie stand oben auf dem Regalbord über der kleinen Küchenzeile in unserem Ferienhaus. Wobei die Bezeichnung „Haus“ nur für diejenigen übertrieben sein mag, die nicht der Meinung wären, dass Platz erst bei soundso viel Quadratmeter begänne.

Sie stand oben auf dem Regalbord gleich neben der Salatschleuder, dem Sieb, den Schüsseln. Eine Pfanne und ein Topf waren ineinander gestapelt, dann kam Severin. Wir hoben sie herunter und stellten sie eine Etage tiefer rechts neben den zweiflammigen Herd auf das restliche Ende der kleinen Arbeitsfläche.

Ich erinnerte mich, wie ich bereits vor vielen Jahren einmal Eigentümerin eines anderen Severin-Modells war. Blau war das. Also jetzt nicht etwa in gedecktem dunkelblau, sondern knallig. Richtig schön knalle blau. Mit dem Severin-Modell kamen weitere, durchaus nützliche Gegenstände in meine Obhut. Wahrscheinlich gab es alles als Konvolut beim Aldidings zum Aktionspreis. Und deshalb ergab es sich, dass neben Severin, der Kaffeemaschine, noch Toaster und Eierkocher bei mir einzogen. Ebenfalls in knalle blau.

Severin musste später, als wir in die schicke Wohnung eingezogen waren und sie nicht mehr ins Bild passte, dem stylischen Vollautomaten weichen. Dieser wiederum war mit vielen zusätzlichen Funktionen ausgestattet. Keine Ahnung, ob ich jemals alle benutzte. Seine Gebrauchsanweisung entpuppte sich als durchaus umfangreich und die richtige Einstellung der Mahlgrade und Wassermengen ebenfalls. Die dazugehörigen Bohnen erforderte deutlich mehr Sorgfalt im Einkauf und war zudem teuer. Und erst die Reinigung. Da ging nichts nur mit Filterpapier in den Müll entsorgen, ausspülen und einmal drüber wischen und fertig. Es brauchte Reinigungstabletten, Wasserfilter und eine aufwendige Extrabehandlung beim täglichen Unterhalt…
– Fortsetzung folgt –

Teilen:

Weitere Beiträge

#918 die gelbe Boje

Eine selbstgewählte Herausforderung, der ich mit Skepsis entgegen schaute, galt es in Angriff zu nehmen: meine Freiwasserphobie. Die andere Hälfte

Weiterlesen

#917 Müßiggang

Drei Tage mit Nichtstun sind vergangen, seit wir unser Domizil in Südfrankreich bezogen haben. Drei volle Tage und zwei halbe,

Weiterlesen