Es war heiß. Die Sonne brannte vom stahlblauen Himmel direkt auf die Veranda ihres Feriendomizils. Sie hatte sich ihrer Schlappen entledigt und stand barfüßig auf einem der beiden Stühle, die es hier gab. Plastiknachbildungen von Bistrot-Stühlen in Monoblock-Optik. Sie reckte die Arme über den Kopf. Dabei versuchte sie die abgewetzte Picknickdecke, die ihr am Strand als Unterlage diente, über den oberen Balken der Verandakonstruktion zu hängen. Sand rieselte ihr in kleinen Mengen entgegen, bedeckte Tisch und Boden. Die Idee mit der Picknickdecke war ihr gekommen, um, in Mangel an Sonnenschirm oder eines anderen Sonnenschutzes, es in der Mittagshitze auf eben jenem Außensitz erträglich zu machen. Außerdem wollte sie an ihren Texten arbeiten. Draußen. Drinnen saß sie den Rest des Jahres schon genug.
Als sie damit fertig war, die Picknickdecke genau den Teil versperrte, sodass Schatten auf ihren Tisch fiel, und den Schritt rückwärts auf die Veranda machte, durchfuhr sie ein Schmerz in der linken Ferse. „So ein verdammter Mist“, dachte sie sogleich. Sie hatte sich einen der leicht hervorstehenden Schraubenköpfe, die den Bretterboden fixierten, unter die Hornhaut gerammt.
Es blutete nicht. Dennoch war die feste Hornschicht zerstört, es klaffte ein kleines Loch in der Ferse und die unter der Hornhaut liegende zarte Hautschicht stach rosafarbig hervor. So viel konnte sie mit viel Verrenkung erkennen. Nachdem der erste Schreck und Schmerz überwunden waren, kein Blut floss, trat sie vorsichtig auf, ging probeweise ein paar Schritte. Außer einem kleinen Piksen war wenig spürbar und es erschien ihr nicht notwendig, weitere Maßnahmen zu ergreifen.
Die Tage vergingen.
Urlaubstage, Strandtage und Wochenmarkttage, Fahrradfahrtage, Tage mit Besichtigungen und Einkäufen, mit Faulenzen und Nichtstun und Tage mit allem zusammen kamen und gingen. Es kamen und gingen Alltagstage zurück im Drinnen und weniger Draußen.
Der winzige Schmerz hatte sich eingenistet. Kaum wahrnehmbar aber dennoch vorhanden am anderen Ende ihres Körpers. Mal ein wenig mehr, mal ein wenig weniger. Doch immer vorhanden. So vorhanden, dass er alltäglich, dass er geläufig wurde. Er war einfach da, wie das eine störrische dunkle Haar an der Oberlippe plötzlich vorhanden war, ungefragt, die Kurzsichtigkeit oder der Hosenknopf, der begann beim Sitzen zu kneifen…
– Fortsetzung –
