#920c Die Perle – Fortsetzung –

Beim Zurücktreten auf die Veranda fiel es ihr plötzlich wieder ein. Sie erinnerte sich an den Schmerz, den sie damals verspürt hatte. Jetzt ging alles gut. Ihr nackter Fuß landete ohne Komplikationen auf dem Holzboden. Der zweite ebenfalls. Die Picknickdecke hing, wie sie sollte und beschattete den Tisch. Sie konnte mit dem Schreiben beginnen.

Aber halt, da war doch noch was, bemerkte sie beim nächsten und überübernächsten Schritt. Der Schmerz war aus irgendeinem Grund wieder vorhanden. Hatte das Jahr über im Einerlei überdauert. Sie tastete nach ihrer Ferse. Es hatte sich ein kleine Knubbel, eine kleine, kugelige Erhebung unter ihrer mittlerweile zugewachsenen Hornhaut gebildet. Ein kleines rundes Ding. Es ließ sich hin und her schieben. Was war das? Sie tastete weiter.

Schließlich kniete sie sich mit ihrem linken Knie aufs Bett, winkelte den Unterschenkel an und blickte über ihre linke Schulter auf ihre Fußsohle. Die kugelige Stelle befand sich an genau jenem Platz ihres Körpers, der nur mit Anstrengung und genügend Verrenkung einsehbar war.

Sie bat die andere Hälfte ihres Haushalts, das Ding unter die Lupe zu nehmen. Dieser zückte die Handytaschenlampe und knibbelte daran herum. „Da ist was drunter“, sagte er mit Kennermine und griff nach seinem Taschenmesser, dass er für Fälle jedweder Art im Urlaub stets dabei hatte. Unter ihrem Protest. Sie wollte nicht an sich herum schnippeln lassen. Doch ihre Neugier siegte und sein gutes Zureden: „ich passe schon auf und bin ganz vorsichtig“, taten ihr Übriges und sie ließ ihn gewähren.

Die Messerspitze stach in ihre Ferse. Ein kleiner Schnitt. Die Bewegung eines Hebels. Kaum spürbar. Ein leises Klickern folgte. Ping, Ping. Rollen über den Laminatboden mit Holzimitatmuster war vernehmbar, als die Perle, die sich aus einem winzigen Sandkorn das Jahr über in ihr gebildet hatte, das Licht der Welt erblickte.

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